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Sexual-Mord an Maria L. : Hilfe vom stummen Zeugen

Erinnerung: Hier wurde Maria L. in Freiburg im Dezember ermordet. Bild: Picture-Alliance

Nach dem Sexual-Mord an Maria L. will die Landesregierung im Südwesten die DNA-Analyse ausweiten. Der baden-württembergische Justizminister fordert eine Änderung der Strafprozessordnung.

          Am vergangenen Freitag brachte der baden-württembergische Justizminister Guido Wolf (CDU) einen Gesetzesantrag zur Änderung der Strafprozessordnung im Bundesrat ein. Was auf den ersten Blick belanglos klingt, könnte bei der Aufklärung vor allem von Mordfällen zu wesentlich schnelleren Ermittlungserfolgen führen: Der Gesetzesantrag der grün-schwarzen Landesregierung sieht vor, dass die Polizei künftig Augenfarbe, Haarfarbe, Hautfarbe sowie das biologische Alter zu Ermittlungszwecken nutzen kann. Bisher durften die Ermittler der Polizei nur das DNA-Identifizierungsmuster und das Geschlecht verwenden. Seit 2004 hat es an der Strafprozessordnung keine Änderung mehr gegeben.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Kriminalpolizisten wünschen sich eine Ausweitung der Ermittlungsmöglichkeiten – nur gab es lange Zeit niemanden in der Politik, der sich dafür starkmachte. Das änderte sich schlagartig mit dem Sexualmord an der Freiburger Medizinstudentin Maria L. im Herbst vergangenen Jahres: In diesem Fall gab es früh die Vermutung, dass der Täter ein Flüchtling sein könnte. Wären die vorhandenen DNA-Spuren in Bezug auf Haar- oder Augenfarbe ausgewertet worden, wäre es möglich gewesen, den Kreis potentieller Täter deutlich früher einzugrenzen. Zur Begründung der Bundesratsinitiative sagte Justizminister Wolf nun: „Alle diese Möglichkeiten bleiben derzeit ungenutzt, obwohl sie für die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden von enormer Bedeutung sein können. Dafür haben die Bürger gerade bei schrecklichen Mordfällen – wie zuletzt in der Region Freiburg – zu Recht kein Verständnis.“ Verfassungsrechtliche Bedenken hat Wolf nicht, Augen-, Haar- und Hautfarbe seien ja auch heute schon Körpermerkmale, die bei strafrechtlichen Ermittlungen, bei Zeugenbefragungen oder bei der Auswertung von Videoaufnahmen eine Rolle spielten.

          Wolf wollte mit seiner Initiative ursprünglich noch einen Schritt weiter gehen, er wollte nämlich auch die Verwendung „biogeographischer Daten“ erlauben. Dann könnten die Kriminalisten erkennen, ob ein Täter eher aus Asien, aus dem Nahen Osten oder aus Europa stammt. Die Grünen in der Landesregierung meldeten bei diesem Punkt jedoch Bedenken und längeren Prüfbedarf an, so dass er aus der Bundesratsinitiative wieder gestrichen werden musste. Aus Sicht der Polizei fehlt der Novellierung der Strafprozessordnung damit aber etwas Entscheidendes: „Der kriminalistische Haupteffekt ist uns genommen, wenn wir künftig nicht auch die biographische Herkunft bestimmen können. Unbeteiligte werden damit wesentlich entlastet, weil aufwändige DNA-Reihenuntersuchungen in einigen Fällen unterbleiben können. Zudem können wir den oder die Täter schneller eingrenzen, damit ist für uns bei einem unbekannten und auf freiem Fuß befindlichen Täter ein wesentlicher Zeitgewinn verbunden“, sagte Ralf Michelfelder, Präsident des baden-württembergischen Landeskriminalamtes, dieser Zeitung.

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