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Baustelle Bahnhof : Architekt beklagt Stillstand bei Planungen rund um Stuttgart 21

Die Bahnhofs-Baustelle in Stuttgart Bild: dpa

Grüne Politiker wollen mit der Grundsteinlegung für den Stuttgart-21-Bahnhof nichts zu tun haben. Architekt Christoph Ingenhoven kritisiert das scharf und wirft ihnen fehlenden Planungswillen vor.

          Der Architekt des neuen Stuttgarter Durchgangsbahnhofs, Christoph Ingenhoven, hat die baden-württembergischen Landes- und Kommunalpolitiker wegen ihrer mangelnden Unterstützung für das Projekt Stuttgart 21 kritisiert. An diesem Freitag werden der Bahnvorstandsvorsitzende Rüdiger Grube und Verkehrsstaatssekretär Norbert Barthle den Grundstein für den Tiefbahnhof legen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (alle Grüne) wollen der Veranstaltung fern bleiben.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Ingenhoven kritisiert den politischen Stillstand bei den weiteren Planungen für das Großprojekt und vermisst politischen Handlungswillen. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Donnerstagsausgabe) sagte er: „Es mag terminliche Gründe bei Herrn Kretschmann, Herrn Kuhn und Herrn Hermann geben, dennoch wirkt es unglücklich, der Grundsteinlegung fern zu bleiben. Bei der Realisierung von Stuttgart 21 sollten alle an einem Strang ziehen. Das Projekt ist für das Prestige und die Zukunft des Landes sowie der Stadt von großer Bedeutung und ja auch von den Parlamenten sowie den Bürgern in der Volksabstimmung 2011 mit großen Mehrheiten bejaht worden.“

          Es sei für die politische Kultur nicht förderlich, wenn die Volksvertreter Spekulationen über ihre etwaige Distanz zu dem von den Bürgern ja gewollten Projekt im Raum stehen ließen. „Man muss eindeutig sagen: Stuttgart 21 ist viel mehr als das Infrastrukturprojekt der Bahn. Es ist ein außerordentlich wichtiges städtebauliches Projekt.“ Die Politiker in Stuttgart, so der Architekt, hätten längst damit beginnen müssen, zu planen, was auf dem demnächst frei werdenden Gleisvorfeld gebaut werden solle. „Nach meiner Einschätzung besteht die Gefahr, dass der neue Bahnhof bei seiner Fertigstellung von Brachflächen in der Mitte der Stadt umgeben sein wird. Der Stillstand an der wichtigsten städtebaulichen Baustelle der Stadt ist schwer nachvollziehbar.“ Ingenhoven warnt vor einer Brachfläche, die möglicherweise bis 2040 die Stadt verunstalten könne. Es sei auch falsch, für die Gestaltung des neuen Stadtviertels nur „Ideen der Bürger“ zu sammeln. „Ich bin eindeutig für eine breite Bürgerbeteiligung. Bei einem derart wichtigen Projekt reicht das aber nicht. Die Verantwortlichen der Stadt  müssen selbst eine Vorstellung von der Zukunft Stuttgarts entwickeln, die sie dann zusammen mit den Vorschlägen der Bürger diskutieren können. Das hat man aber versäumt.“

          Die über viele Jahre diskutierten Probleme des Brandschutzes hält Ingenhoven nun für gelöst: „Wir waren immer optimistisch, dass sich die bautechnischen Probleme lösen lassen und natürlich auch die Anforderungen des Brandschutzes erfüllt werden. Sachliche Kritik ist immer willkommen, aber einige Kritiker von Stuttgart 21 haben über Jahre so getan, als ob hunderte von Bauingenieuren und Architekten inkompetent und ahnungslos sind. Das kann ich nicht akzeptieren.“ Sein Büro habe nie Zweifel gehabt, dass die Anforderungen des Brandschutzes erfüllt werden könnten. „Aber in der entsprechenden nationalen und europäischen Vorschriften sind während der Planungszeit stark verändert worden. Das sind Anforderungen, die sie für ein so großes kompliziertes Bauwerk simulieren müssen, das dauert, dieser Bahnhof ist ja keine Maschine.“ Mit dem Bau der Brandschutztreppen am Kopfende der Bahnhofshalle habe man jetzt eine Lösung gefunden.

          Der Bundesrechnungshof hat gerade zwei Prüfberichte über Stuttgart 21 fertiggestellt. Einer untersucht, welche Gelder aus dem Bundeshaushalt tatsächlich für das Projekt verwendet worden sind. Ein zweiter Bericht, der „Bestätigungsprüfung“ genannt wird, soll klären, welche Risiken in dem derzeit 6,5 Milliarden Euro teuren Projekt noch schlummern könnten.

          Die Bahn hat bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG noch ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Wenn alle drei Gutachten im Herbst dem Bahnvorstand, dem Bahnaufsichtsrat und den Berliner Ministerien vorliegen, könnte es eine neue Diskussion über Kosten und Risiken geben. Schon jetzt ist klar, dass 2019 die jetzige Bausumme in Höhe von 6,5 Milliarden Euro aufgebraucht sein wird und der Bund und das Land Gespräche über die weitere Finanzierung führen müssen.

          Die grün-schwarze Landesregierung lehnt eine weitere Kostenbeteiligung allerdings strikt ab. In Stuttgart gibt es weiterhin so genannte Montagsdemonstrationen gegen das Verkehrsprojekt, vor allem den Grünen wird von den Bahnhofsgegnern vorgeworfen, dass sie den Bau nicht gestoppt haben. Nach derzeitigem Planungsstand sollen die neue ICE-Strecke nach Ulm und der neue Stuttgarter Bahnknoten im Jahr 2021 fertiggestellt sein.

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