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Baustart für Stuttgart 21 : Der Wutbürger macht Pause

Spärlicher Protest: Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 demonstrieren gegen den Baustart am Dienstag Bild: dpa

Nach jahrelangen Protesten haben in Stuttgart die Bauarbeiten für den neuen Tiefbahnhof begonnen. Die Schar der Demonstranten gegen Stuttgart 21 war dabei überschaubar. Hat sich der hier erst entfesselte Wutbürger überlebt?

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          Nur ein paar „Lügenpack“-Rufer störten den Start für den neuen Stuttgarter Durchgangsbahnhof. Das gehört im Südwesten mittlerweile zur politischen Folklore. Von jeder Protestbewegung bleiben ein paar Unverbesserliche übrig, die weiter auf den Straßen marschieren,  auch wenn es sinnlos ist.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Das ist ihr gutes Recht, es ändert aber nichts daran, dass die industrielle Herzkammer Deutschlands in sieben bis acht Jahren einen modernen und zeitgemäßen Bahnhof haben wird. Die Mehrheit der Bürger wird das als Fortschritt empfinden, weil sie in einer Region mit drei Millionen Einwohnern täglich unter einem  Verkehrsinfarkt leidet.

          Dass aus der Wutbürgerbewegung vor vier Jahren – gemessen an damaligen Verhältnissen – eine Truppe von Einzelkämpfern wurde, ist der Volksabstimmung zu verdanken. Sie war die Grundlage für Kompromiss und Befriedung.

          Die Volksabstimmung war zwar problematisch, weil es für das Projekt breite parlamentarische Mehrheiten gab. Sie war gleichwohl unabdingbar, weil die Bahn und die Befürworter des größten Infrastrukturprojekts der Republik schlampig gearbeitet haben.Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hatte das Projekt reanimiert, weil er davon überzeugt war, aber auch weil er dringend einen politischen Erfolg brauchte. So etwas merken sich die Bürger und das schafft wenig Glaubwürdigkeit. Mit dem hartleibigen Widerstand von Wutbürgern müssen die Politiker leben.

          Das bekommen Hin und Wieder auch die Grünen zu spüren. Wenn im Schwarzwald ein Nationalpark errichtet wird oder in einer kleinen Gemeinde ein Gefängnis gebaut werden soll. In Stuttgart muss die Bahn letztlich noch beweisen, dass sie ein Projekt dieser Größe anständig bauen kann.

          Ein Brandschutzkonzept fehlt immer noch, über eine pünktliche Fertigstellung im Jahr 2021 gibt es noch keine Gewissheit, einige Planungen sind immer noch nicht genehmigt. Dem Bahn-Konzern muss in Stuttgart etwas gelingen, sonst sind schon bald wieder weit mehr als hundert Einzelkämpfer auf dem Arnulf-Klett-Platz. Der Wutbürger gönnt sich nur eine Pause.

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