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Batterietechnik aus Münster : Erhitzte Gefechte in aufgeladener Zeit

  • -Aktualisiert am

Will sich Münster nicht schlechtreden lassen: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) Bild: dpa

Nach dem Brandbrief mehrerer Länderchefs wegen der Entscheidung, Münster zum Standort für die neue Batteriezellenforschungsfabrik zu machen, greift auch NRW-Ministerpräsident Laschet zur Feder. Der F.A.Z. liegt der Brief vor.

          Armin Laschet, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, kann eigentlich ganz gut mit seinen Amtskollegen im Norden und Süden. Absprachen finden meist auf dem kurzen Amtsweg statt. Doch derzeit ist die Stimmung zwischen ihm und den Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern so aufgeladen, dass Laschet lieber schriftlich mit Stephan Weil (SPD), Winfried Kretschmann (Grüne) und Markus Söder (CSU) kommuniziert.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Anlass für Laschets Verärgerung ist ein Brandbrief, mit dem sich die drei Ministerpräsidenten an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt hatten. Bitter beklagte sich das rot-grün-schwarze Spontanbündnis aus den drei „Auto-Ländern“ über die am Freitag von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) bekanntgemachte Entscheidung, die neue Batteriezellforschungsfabrik in ihrer Heimatregion Münster anzusiedeln. Mit der Entscheidung für Münster, die „überwiegend nach strukturpolitischen Erwägungen“ getroffen worden sei, werde man „im Wettlauf gegen Deutschlands Wettbewerber“ viel wertvolle Zeit verlieren, da sie „wohl einen langwierigen Aufbau neuer Strukturen nach sich zieht“, mutmaßten Weil, Kretschmann und Söder.  

          „Münster nicht diskreditieren“

          Am Dienstag nannte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) den Vorwurf verkappter Standortpolitik zugunsten des Münsterlandes „abwegig“: „Wenn irgend eine Region in Deutschland keine Strukturhilfe braucht, dann ist es das Münsterland“, sagte Laschet in Anspielung auf den Umstand, dass die Region – etwa anders als das Ruhrgebiet – ihren Strukturwandel stets aus eigener Kraft meisterte. Laschet beließ es nicht bei einer mündlichen Stellungnahme – sondern sandte zugleich einen dreiseitigen Brief an seine „sehr geehrten Herrn Kollegen“. Er könne die Enttäuschung über die Entscheidung des Forschungsministeriums zugunsten Nordrhein-Westfalens zwar nachvollziehen, formuliert Laschet in dem Schreiben, das der F.A.Z. vorliegt. „Und ohne Zweifel weisen die von Ihnen unterstützen Standorte – Ulm, Augsburg und Salzgitter – beachtenswerte Merkmale auf.  Ich möchte Sie jedoch bitten davon abzusehen, den hervorragend qualifizierten Standort Münster weiter zu diskreditieren.“

          Tatsächlich habe sich die Bundesregierung für den besten Standort entschieden. „Die fachlichen Gründe zugunsten Münsters, die letztlich auch die Bundesregierung überzeugt haben, sind für die Fachwelt offenkundig.“ Das Batterieforschungszentrum MEET an der Universität Münster unter der Leitung von Professor Martin Winter sei ein wesentlicher Treiber der internationalen Spitzenforschung im Bereich der Batteriematerial- und Zellforschung. Hinzu komme das Helmholtz-Institut Münster, das Forschungszentrum Jülich in den Bereichen Elektrochemie, erneuerbare Energien, der Energiewandler- und Energiespeichertechnologien sowie die Praxisanwendungen in der Elektromobilität durch die Ausgründungen Street-Scooter und e.Go an der RWTH Aachen.

          „Nirgendwo ist wissenschaftliche Erkenntnis so in industrielle Produktion umgesetzt worden“, schreibt der nordrhein-westfälische Ministerpräsident. Nordrhein-Westfalen decke von der Grundlagenforschung über die Technologie einer automatisierten industriellen Serienfertigung bis zum Recycling die relevante Wissenskette vollumfänglich ab. „Von dem von Ihnen genannten ‚langwierigen Aufbau neuer Strukturen‘ kann in Bezug auf den Standort Münster insoweit keine Rede sein“, schreibt Laschet seinen Kollegen ins Stammbuch – um sogleich wieder versöhnliche Töne anzuschlagen. Das siegreiche nordrhein-westfälische Konzept sei „ganzheitlich und integrativ“, es biete Partnern aus ganz Deutschland, Europa und der Welt eine Plattform, die sowohl vertrauliche Zusammenarbeit als auch den Austausch und gemeinsame Zellforschungskooperationen erlaube.

          „Liebe Kollegen, es dürfte unser gemeinsamer Wunsch sein, dass wir bei der Batteriezellproduktion vorankommen, um die Wertschöpfung in Deutschland zu halten. Wir wollen eine Forschungsfabrik für ganz Deutschland sein und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den Mitbewerbern. Nur so können wir die Forschungsfragen lösen, die sich rund um die Batteriefertigung für vielfältige Anwendungen stellen“, schließt Laschet.

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