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BAMF-Präsident im Interview : „Aussichtslosen Asylbewerbern sollten wir das Taschengeld streichen“

Was ist mit den Kriterien für den Anspruch, einwandern zu dürfen, also das sogenannte Punktesystem?

Vielleicht ist es deshalb etwas ruhiger geworden um das Einwanderungsgesetz, weil sich Kanada gerade von seinem Punktesystem verabschiedet. In der Debatte über einen Kriterienkatalog taucht außerdem immer wieder die deutsche Sprache auf. Da kann ich nur sagen: Das wäre eine höhere Anforderung als heute. Denn heute gilt: Wer qualifiziert ist und einen Arbeitsvertrag hat, der darf kommen. Wollen wir, dass eine Fachkraft erst nach Deutschland kommen darf, wenn sie Deutsch gelernt hat? Sicher nicht.

Zeigen wir denn in ausreichendem Maße, dass wir Fachkräfte haben wollen? Und kommen überhaupt die richtigen?

Die meisten Einwanderer, die wir haben, kommen aus der EU. Das können wir über ein Einwanderungsgesetz gar nicht steuern. Der größte Teil von ihnen ist jung, gebildet und qualifiziert. Bei diesen Einwanderern stellt sich nur die Frage, ob sie bleiben, wenn es in ihrer Heimat wirtschaftlich wieder bergauf geht. Für die Einwanderung aus Drittstaaten müssen wir mehr tun. Wir haben da einen entscheidenden Nachteil: die Sprache. Also müssen wir umso mehr für den Standort Deutschland werben. Das tun wir auch verstärkt. Wir haben zum Beispiel eine Hotline zur Beratung von Leuten eingerichtet, die Interesse daran haben, nach Deutschland einzuwandern, und innerhalb von sechs Monaten 13.000 Anrufe bekommen.

Wäre das nicht auch für die Handelskammern und Botschaften ein neues Betätigungsfeld?

Es wäre gut, wenn wir Migrationsbeauftragte im Ausland hätten. Wir wissen von Einwanderern, dass das deutsche Einwanderungsrecht einen recht komplizierten Eindruck macht. Eine Beratung schon in den Herkunftsländern wäre da sehr hilfreich. Wir haben Kulturattachés, wir haben Militärattachés an den Botschaften. Warum nicht auch Migrationsattachés?

Erstaunlich, dass der Exportweltmeister Deutschland bei der Anwerbung und im Integrationsmanagement so schwächelt.

Das liegt vielleicht daran, dass wir das Problem noch nicht wirklich zu spüren bekommen. Im Moment funktioniert ja alles noch, die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenzahlen sind niedrig. Aber schon in fünf Jahren sieht die Welt anders aus. Jetzt haben wir allerdings noch die Möglichkeit zu steuern. Da sind wir wieder bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen: Die Wirtschaft hat sehr schnell erkannt, dass wir ihnen einen Ausbildungsplatz anbieten sollten, egal welchen Aufenthaltsstatus sie nun haben. Denn es fehlen nicht mehr Ausbildungsplätze wie früher, sondern es fehlen Auszubildende.

Lässt sich also aus der Not eine Tugend machen?

Das geht, indem man zum Beispiel diesen jugendlichen Flüchtlingen eine Aufenthaltsgenehmigung für die Zeit der Ausbildung gibt. Trotzdem ist es nicht einfach, weil sehr schnell ein Nützlichkeitsdenken entsteht. Ein Beispiel: Aus einem Land kommt eine Frau mit einem Kind, aus demselben Land ein Bauingenieur. Beider Verfahren endet mit der Feststellung: nicht schutzwürdig. Sollen wir dann die Frau mit dem Kind wieder nach Hause schicken, dem Bauingenieur aber sagen: Ja, dich brauchen wir? Halten wir das aus? Ich glaube nicht.

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