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Wann kommt der Corona-Killer? : Das Impfwunder

Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze. Bild: dpa

Auch wenn der Impfstoff früher kommt, als man zu hoffen wagte: Das Lockdown-Gespenst wird Politik und Gesellschaft noch weit bis ins nächste Jahr verfolgen.

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          Selbst wenn ein Impfstoff in Deutschland „erst“ im ersten Quartal 2021 zur Verfügung stehen sollte, wäre das immer noch ein mit rasender Geschwindigkeit entwickeltes Gegenmittel gegen Corona. Es wäre eine aus der Not geborene Sensation, die in anderen Ländern nur mit unverantwortlich hohem Risiko noch überboten wird.

          Man sollte sich aber keine Illusionen machen: Das Impfwunder wird nicht nur mit Begeisterung aufgenommen werden, sondern, eben weil es alle Rekorde bricht, auch auf Skepsis und Ablehnung stoßen – von der grundsätzlichen Impfgegnerschaft einmal ganz abgesehen. Die naheliegende Reihenfolge der Massenimpfung, wie sie die Berater der Bundesregierung nicht nur aus Gründen der Kapazitäten, sondern auch aus ethischen Überlegungen empfehlen, sollte die Skeptiker allerdings beschwichtigen, ja selbst die Gegner der Corona-Politik überzeugen.

          Zuerst geht es darum, Risikogruppen und ausgewählte Berufe zu versorgen – in Alten- und Pflegeheimen, in Krankenhäusern, in Schulen, Gesundheitsämtern und Sicherheitsdiensten. Das müsste all jene besonders überzeugen, die eine Konzentration der Corona-Maßnahmen auf diese Gruppen ohnehin immer für völlig ausreichend hielten. Es müsste aber auch die Impfskeptiker beruhigen, die nicht fürchten müssen, als Versuchskaninchen missbraucht zu werden.

          Die allermeisten Deutschen aber werden mit Ungeduld verfolgen, bis sie „an der Reihe“ sind. Denn eine übergroße Mehrheit, das zeigen Umfragen, sehnt den Impfstoff herbei und kann es kaum glauben, dass er tatsächlich so schnell kommt. Es war immer ein verzerrtes Bild, das in Leipzig und anderswo von „Hygiene-Demonstrationen“ vermittelt wurde: Die Irrationalen sind eine kleine Minderheit.

          Das wird aber nichts daran ändern, dass es noch schwieriger werden wird, Corona-Maßnahmen durchzusetzen, wenn der Impfstoff erst einmal da ist. Das Urteil des Verwaltungsgerichts in Düsseldorf gegen die Maskenpflicht zeigt, dass die Verfügungen der Kommunen schon jetzt, in Zeiten dramatischer Infektionszahlen, gar nicht klar genug formuliert sein können, um die Spitzfindigkeit und Klagewut mancher Bürger zu bremsen. Kommt dann erst der Impfstoff, geht die Vorsicht. Deshalb werden Politik und Gesellschaft noch weit bis ins nächste Jahr hinein vom Lockdown-Gespenst verfolgt werden.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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