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Realo-Doppelspitze : Baerbock und Habeck zu Grünen-Vorsitzenden gewählt

  • Aktualisiert am

Annalena Baerbock und Robert Habeck Bild: dpa

Die Grünen haben erstmals eine Realo-Doppelspitze: Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock setzte sich klar gegen die Parteilinke Anja Piel durch. An ihre Seite wurde Robert Habeck gewählt.

          Die Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock ist neue Bundesvorsitzende der Grünen. Auf dem Parteitag in Hannover setzte sich die 37 Jahre alte Brandenburgerin am Samstag gegen die niedersächsische Parteilinke Anja Piel durch. Auf Baerbock entfielen 64,45 Prozent der Stimmen, auf Piel 34,78 Prozent.

          Den männlichen Teil der Doppelspitze füllt Robert Habeck aus, derzeit noch Umweltminister von Schleswig-Holstein. Habeck wurde mit 81,33 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt. Somit besteht die neue Parteispitze aus zwei Politikern vom pragmatischen „Realo“-Flügel der Partei. Damit brachen die Grünen mit ihrem Prinzip, in Spitzenduos sowohl Vertreter des Realo- als auch des linken Flügels zu wählen.

          „Heute gibt man den Flüchtlingen Schuld“

          Am Vortag hatten die Grünen die bisherigen Parteivorsitzenden Cem Özdemir und Simone Peter verabschiedet und über eine Satzungsänderung Habecks Forderung nach einer Übergangsfrist erfüllt, während der er zugleich Parteichef und Landesminister sein darf.

          Die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth warnte anlässlich des Holocaust-Gedenktags vor einer Schwächung der deutschen Erinnerungskultur. Das Erinnern sei heute wichtiger denn je, sagte Roth: „Das Selbstverständliche ist nämlich nicht mehr selbstverständlich, wenn ,Jude‘ wieder Schimpfwort auf den Schulhöfen ist, wenn wieder Abgeordnete im Bundestag das Wort ergreifen, die einen Schlussstrich ziehen wollen, wo es keinen Schlussstrich geben kann.“ Es gelte, sich diesem offenen Angriff auf die Erinnerungskultur entgegenzustellen, was bedeute: „Gesicht zeigen, Widerstand leisten und Verantwortung dafür tragen, das kollektive Gedächtnis kontinuierlich zu erneuern“.

          Die Holocaust-Überlebende Hanni Lévy auf dem Grünen-Parteitag

          Die Holocaust-Überlebende Hanni Lévy warnte bei dem Grünen-Parteitag davor, die alten Schlagzeilen „wieder in ein neues Licht zu setzen“. Lévy sagte: „Früher waren es die Juden, die für alles beschuldigt wurden, heute gibt man den Flüchtlingen Schuld.“ Die 93-Jährige sagte weiter, „wir dürfen nie vergessen, wie schwer es für Menschen ist, alles zurückzulassen, nur um zu leben.“ Zugleich dankte sie jenen Deutschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus so mutig gewesen seien, sie und andere Juden zu verstecken und damit vor dem Tod zu bewahren.

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