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Baden-Württemberg : Eckpfeiler gegen Äbtissin

  • -Aktualisiert am

Günther Oettinger und Annette Schavan Bild: AP

Günther Oettinger und Annette Schavan bewerben sich um Teufels Nachfolge in Baden-Württemberg. Der eine versucht mit Zahlen und Fakten zu beeindrucken, die andere mit dem Festhalten an alten Werten.

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          Günther Oettinger und Annette Schavan wollen die Nachfolge des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel antreten. Den Zweikampf mit der Kultusministerin Schavan nennt der CDU-Fraktionsvorsitzende Oettinger ein "Freundschaftsspiel". Davon ist auf der ersten Bezirkskonferenz in Schwäbisch Gmünd, wo sich beide den Bürgern stellen, zunächst wenig zu spüren.

          Am Eingang der Kongreßhalle wird neben offiziellen Werbebotschaften der beiden Kandidaten auch eine Schmähschrift gegen Frau Schavan verteilt, mit Verdächtigungen gegen die Junggesellin, die deutlich unter die Gürtellinie gehen. Das Pamphlet wird flugs eingesammelt. Der Versammlungsleiter, der Stuttgarter Staatssekretär Wolfgang Reinhart, bedauert, daß "diskreditierende Flugblätter" in Umlauf gebracht worden seien. Danach kann die Vorstellung der Bewerber vor etwa 1200 Zuhörern beginnen.

          Oettinger, der "parlamentarische Eckpfeiler"

          Zunächst hat Oettinger das Wort, der die CDU-Fraktion im Stuttgarter Landtag seit fast vierzehn Jahren führt und darauf brennt, Teufel abzulösen. Bislang, sagt Oettinger mit heiserer, krächzender Erkältungsstimme, sei jeder Regierungschef in Baden-Württemberg ganz anders gewesen als sein jeweiliger Vorgänger.

          Er sei anders als Teufel, sagt Oettinger, aber er habe partnerschaftlich mit ihm gearbeitet und sei so etwas wie sein "parlamentarischer Eckpfeiler". Es habe "gewisse Spannungen" gegeben, aber davon und vom Wettbewerb lebe gute Politik. Zu seinem 50. Geburtstag ist Oettinger von Teufel, was selten vorkommt, gelobt worden, und dieses Lob gibt Oettinger auf seinem Flugblatt weiter: "Schnell wie kein Zweiter, kompetent in voller Breite, zupackend, argumentationsstark, einfühlsam und nicht nachtragend."

          Ökonomie und Kultur der Deutschen mit Stolz vertreten

          Oettinger versucht, sich als Wirtschaftspolitiker hervorzutun, dem nichts wichtiger ist, als Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten und den Mittelstand zu fördern. Die Löhne müßten gehalten, die Arbeitszeit könnte verlängert werden. Eine 40-Stunden-Woche sei jedem zuzumuten. Kein Feiertag sollte gestrichen werden, auch nicht der Tag der Deutschen Einheit.

          "Wir haben keinen deutschen Geist", bedauert Oettinger. Ökonomie und Kultur der Deutschen könnten durchaus mit Stolz vertreten werden. Er schweift über den Tellerrand des Ländles hinaus, blickt mit Sorge auf die chinesische Konkurrenz und sieht die Hauptgefahr darin, "daß der Chinese ehrgeiziger ist als der Deutsche, daß er früher aufsteht" und überdies sprachbegabt und bildungshungrig sei.

          Sportlicher Jurist

          Der Jurist Oettinger, Geschäftsführer eines von seinem Vater ("Er war FDP-Wähler") gegründeten Steuerberaterbüros im schwäbischen Ditzingen, erzählt nebenbei von seiner Familie und davon, wie spät die Menschen einst in Rente gegangen und wie früh sie gestorben seien. Heute würden die Männer in Deutschland im Durchschnitt 74 Jahre alt, in Baden-Württemberg sogar 75, was mit dem Weinbau, der Natur und der CDU im Land zu tun habe müsse. Die Schwaben lachen über das Späßle.

          Oettinger, Fußballer, Skifahrer und Waldläufer aus Passion, verfällt gern in die Sprache des Sports. Der Wettbewerb zwischen ihm und Frau Schavan um Teufels Nachfolge sei ein Freundschaftsspiel mit Zuschauern, die zugleich Schiedsrichter seien.

          Damit spielt er auf die Befragung der etwa 81 000 CDU-Mitglieder an, die bis Ende November entscheiden können, wer künftig Ministerpräsident in Stuttgart sein und die baden-württembergische CDU im Jahr 2006 als Spitzenkandidat in die Landtagswahl führen soll. Dann gebe es ein Pokalspiel, sagt Oettinger, und die Gegnerin sei die Landesvorsitzende der CDU, Ute Vogt.

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