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Baden-Württemberg : Virusmutanten durchkreuzen Pläne für Schulöffnung

Stühle stehen in einem Klassenzimmer einer ersten Klasse der Marienschule in Stuttgart auf Tischen. Bild: dpa

Ursprünglich wollten Ministerpräsident Kretschmann und Kultusministerin Eisenmann am Nachmittag die Entscheidung zur schrittweisen Öffnung von Schulen und Kitas verkünden. Nun will die Landesregierung die weitere Entwicklung zur Ausbreitung der Virusvarianten abwarten.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Die baden-württembergische Landesregierung hat die Entscheidung über die Öffnung von Kitas und Grundschulen abermals vertagt. Es seien acht neue Fälle von Virusmutanten im Südwesten bekannt geworden, davon zwei bei zwei Kindern in einem Kindergarten in Freiburg, sagte Regierungssprecher Rudi Hoogvliet am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. 21 Menschen in dem Kindergarten seien ebenfalls infiziert, nun müsse noch geklärt werden, ob es sich ebenfalls um die neuen Virusvarianten handele. „Wir wollen das abwarten“, sagte der Sprecher.

          Ursprünglich wollten Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) an diesem Mittwoch um 14.30 Uhr die Entscheidung verkünden, dass Kitas und Grundschulen schrittweise wieder geöffnet werden sollen. Angesichts der sinkenden Infektionszahlen im Land galt die Entscheidung als Formsache. Mit der Lockerung mitten im allgemeinen Lockdown hätte Baden-Württemberg, das in vielen Lebensbereichen einen strengen Kurs vorgibt, einen Sonderweg beschritten.

          Die Ergebnisse zu den Ansteckungen mit den neuen Virusvarianten seien um 14.00 Uhr gekommen, äußerte Hoogvliet. Für kurz nach 14.00 Uhr waren Kretschmann und Eisenmann zum Gespräch über die endgültige Entscheidung verabredet. Schon am Dienstag hatte Kretschmann betonte, wenn sich die neuen, wohl aggressiveren Virusvarianten aus Großbritannien oder Südafrika im Südwesten verbreiteten, gebe es eine neue Lage. „Das kann zu drastischen Maßnahmen führen.“ Dann müssten auch Lockerungen wieder zurückgenommen werden. „Wir sind noch nicht über den Berg. Wir sind in der schwierigsten Phase der Pandemie.“

          Die zunächst in Großbritannien (B.1.1.7) und Südafrika (B.1.351) nachgewiesenen Varianten gelten als hochansteckend. Nach Angaben des baden-württembergischen Landesgesundheitsamts sind beide Virusvarianten seit Ende Dezember im Südwesten in mehreren Kreisen vereinzelt nachgewiesen worden. Die Bundesregierung warnt, Menschen in Deutschland müssten sich auf eine verstärkte Ausbreitung besonders ansteckender Varianten des Coronavirus einstellen.

          Die Frage der Schulöffnung ist innerhalb der grün-schwarzen Landesregierung, aber auch in Teilen der Südwest-CDU umstritten. Kitas und Grundschulen sollen in dem Bundesland unter hohen Sicherheitsvorkehrungen möglichst bald wieder öffnen – diese Position vertritt die baden-württembergische Kultusministerin Eisenmann. Sie tritt bei der Landtagswahl am 14. März als CDU-Spitzenkandidatin gegen Ministerpräsident Kretschmann an.

          In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstagsausgabe) betonte sie nun, in der Frage der Schulschließung während der Corona-Krise nicht auf einer Linie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu liegen. „Ich finde den Kurs der Kanzlerin in der Corona-Pandemie grundsätzlich sehr gut. Ich habe nur eine andere Meinung dazu, ob man alle Schulen pauschal schließen sollte“, sagte Eisenmann. Merkel hatte sich zuletzt in der Konferenz mit den Ministerpräsidenten vehement dafür eingesetzt, den Lockdown bei den Schulen bis zum 14. Februar aufrechtzuerhalten.

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