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Aygül Özkan : Das moderne Gesicht der CDU

Aygül Özkan (CDU) Bild: dpa

Niedersachsens designierte Sozial- und Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) hat sich für die Entfernung der Kreuze aus staatlichen Schulen ausgesprochen und damit innerhalb ihrer Partei für Unmut gesorgt. Ein Portrait.

          Die moderne CDU hat einen neuen Namen, dessen Aussprache man erst noch üben muss. Es ist ein türkischer Name: Aygül Özkan. Aygül heißt übersetzt Mondrose. Das klingt wie aus „Tausendundeine Nacht“. Frau Özkan soll neue Ministerin für Soziales, Gesundheit und Integration in Niedersachsen werden. Am Dienstag ist die Wahl im Landtag von Hannover.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Unter den vier Personalüberraschungen, mit denen der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) Anfang der Woche bei seiner Kabinettsumbildung zur Halbzeit der Legislaturperiode aufwartete, war Frau Özkan zweifellos die größte. Eine türkischstämmige junge Frau, eine Muslimin als Ministerin in Deutschland - das hat es noch nicht gegeben. Dass eine Ostdeutsche - Johanna Wanka - nunmehr im Westen niedersächsische Hochschulpolitik machen soll, wirkt dagegen beinahe selbstverständlich. Frau Wanka war schon einmal Hochschulrektorin in Merseburg, viele Jahre lang Ministerin in Potsdam und zuletzt Oppositionsführerin im Landtag von Brandenburg. Sie weiß, wie es in der Politik zugeht.

          Özkan war eigentlich noch nie richtige Politikerin

          Frau Özkan hingegen war eigentlich noch nie richtig Politikerin, sieht man einmal davon ab, dass sie seit der Wahl 2008 der Bürgerschaft in Hamburg angehört und fast genauso lange stellvertretende Landesvorsitzende ist. Hier wie dort blieb sie unauffällig. Gleich im ersten wirklich beachteten Amt ein Ministerium zu führen, noch dazu in einem der großen deutschen Flächenländer - da staunt man doch, was sich Frau Özkan so zutraut. Sie ist Juristin.

          Der niedersächsische Staatsekretär Althusmann (CDU), Brandenburgs CDU-Vorsitzende Johanna Wanka, Astrid Grotelüschen (CDU) und Aygül Özkan (CDU) zusammen mit Niedersachsens Ministerpräsident Wulff (CDU) (von rechts)

          Sie ist es auch gewohnt, sich durchzusetzen und zu führen, bislang als Geschäftsführerin beim Paketdienst TNT in Hamburg. Ihr freundliches, stets zu einem Lächeln aufgelegtes Selbstvertrauen kommt nicht zuletzt daher, dass ihre steile politische Karriere immer nur Lob fand und sie auf diesem Weg mehr getragen wurde, als dass sie selbst klettern musste.

          Aygül Özkan war auch als Staatsrätin für die Hamburger Wirtschaftsbehörde im Gespräch. Sie hatte zuvor dem Wirtschaftsausschuss in der Bürgerschaft vorgesessen, was sie zur natürlichen Kandidatin machte. Carsten Frigge wurde es. Wurde er es womöglich, weil die Gespräche zwischen der Staatskanzlei Hannover und Frau Özkan schon weit vorangeschritten waren? Wie auch immer, Dirk Fischer, prominenter Bundestagsabgeordneter und viele Jahre lang Vorsitzender der Hamburger CDU, förderte Frau Özkan, die 2004 Mitglied der Partei geworden war, nach Kräften.

          In Hamburg hatte sie eine „wild card“

          Fischer zog, in Absprache mit Bürgermeister Ole von Beust, vor der Wahl 2008 für sie eine „wild card“. Das bedeutete einen sicheren Listenplatz, für den sie nicht kämpfen musste. So war übrigens auch Lutz Mohaupt, der frühere Sprecher des Bürgermeisters, in die Bürgerschaft gekommen, inzwischen deren Präsident.

          Aygül Özkan war ein Geschenk für die Partei, verkörperte sie doch alles, was die CDU in Hamburg will: Großstadt, jung, weiblich, gelungene Integration. Ihr Lebensweg ist eine Art modernes Märchen aus „Tausendundeine Nacht“ - und alle sind glücklich mit Frau Özkans märchenhaftem Aufstieg. Freilich war auch die CDU für Aygül Özkan ein Geschenk. Der 38 Jahre alten Frau wird ein ausgeprägter Ehrgeiz nachgesagt, ohne dass sie sich dabei je in den Vordergrund gedrängt hätte. "Wenn sie wirklich so ehrgeizig sein sollte, hat sie es gut verborgen", sagt einer der CDU-Kreisvorsitzenden in der Hansestadt. Sie wusste aber, wenn es etwas in der Politik mit ihr werden sollte, dann nur in der CDU und mit von Beust. Nur mit jenen eben, die wirklich Macht haben.

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