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Axt-Attacke in Regionalzug : Wie anfällig sind junge Flüchtlinge für islamistische Propaganda?

  • -Aktualisiert am

Polizisten sichern am Dienstag das Haus, in dem der 17 Jahre alte Täter lebte, ab. Bild: dpa

Der Angriff eines minderjährigen afghanischen Flüchtlings auf Fahrgäste eines Regionalzugs hat offenbar einen islamistischen Hintergrund. Bayerns Behörden sind seit Monaten besorgt wegen der Anwerbeversuche von Islamisten in Flüchtlingsunterkünften.

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          In Bayern haben die Sicherheitsbehörden seit längerem ein besonderes Augenmerk auf eine mögliche Radikalisierung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge durch islamistische Ideologien. Da sie ohne Eltern und Verwandte nach Deutschland kommen, gelten sie als besonders gefährdet, auch durch ihr Bedürfnis, sozialen Anschluss zu finden. Im Fokus der Sicherheitsbehörden stehen vor allem Anwerbeversuche durch islamistische Organisationen, die versuchen, nicht nur jugendliche, sondern auch erwachsene Flüchtlinge für sich zu gewinnen.

          Wie es sich bei dem 17 Jahre alten aus Afghanistan stammenden Täter in Würzburg verhielt, konnte wenige Stunden nach der Tat nicht gesagt werden – wie weit er sich selbst radikalisiert hat, ob er Kontakte zu Islamisten hatte, welchen Einflüssen er ausgesetzt war. Er verbrachte längere Zeit in einem Jugendheim.

          Nach den Erkenntnissen des bayerischen Verfassungsschutzes haben Islamisten in den vergangenen Monaten an mehreren Orten versucht, Kontakte zu Flüchtlingen herzustellen – unter anderem in Augsburg, Aschaffenburg, Friedberg, München, Kelheim und Schwandorf.  Die Islamisten hätten versucht, durch soziale Hilfsangebote Vertrauen bei den Flüchtlingen zu schaffen, um sie dann als Unterstützer und Mitglieder zu gewinnen.

          Die bayerischen Verfassungsschützer nennen als Beispiel die Aktivitäten des salafistischen Predigers Pierre Vogel, der im September 2015 auf Facebook einen Acht-Punkte-Katalog zur Gewinnung von Flüchtlingen für die salafistische Szene veröffentlicht habe.

          Vogel habe seinen Anhängern empfohlen, Teams zu bilden und Flüchtlingsunterkünfte in der Umgebung ausfindig zu machen. Auch auf einem Video auf Youtube habe Vogel zusammen mit dem Salafisten Sven Lau die Anwerbung  von Flüchtlingen propagiert. In Aschaffenburg seien Mitglieder der salafistischen Gruppierung „Islamische Jugend Aschaffenburg“ an Flüchtlinge herangetreten. Der Gruppe sollen etwa zehn junge Männer angehören; sie sollen versucht haben, durch Kleiderspenden Kontakte zu Flüchtlingen aufzubauen, allerdings ohne Erfolg.

          Islamistische Missionierungsorganisationen

          Sorgen bereiten den Verfassungsschützern vor allem Versuche von Islamisten, unbegleitete Flüchtlingskinder und Jugendliche anzuwerben. Sie hätten oft ein ungefestigtes Weltbild und ein bruchstückhaftes Religionsverständnis und böten damit Angriffsflächen für die salafistische Ideologie.

          Nach den Beobachtungen des Verfassungsschutzes sind mehrere islamistische Organisationen bestrebt, Kontakte zu Flüchtlinge aufzubauen. So habe die islamistische Missionierungsorganisation Tablighi Jamaat ihre Anhänger aufgerufen, Flüchtlinge in ihren Unterkünften aufzusuchen und für die Organisation zu werben. Andere Organisationen appellierten an ihre Mitglieder, Flüchtlinge zu sich nach Hause einzuladen.

          Der bayerische Verfassungsschutz hat in einem Flyer Informationen zu islamistischen Anwerbeversuchen zusammengefasst. Dort sind auch Anzeichen aufgeführt, die für eine Radikalisierung von Flüchtlingen spreche, etwa wenn ein Flüchtling jeden Kontakt zu „Ungläubigen“ vermeide und aggressive Missionierungstendenzen zeige.

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