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Autonome Waffen : Wenn Maschinen Krieg führen

Ein Drohnenschwarm kann seine Überlegenheit erst dann voll ausspielen, wenn er sich in Sekundenbruchteilen zum Angriff entscheidet. Muss erst ein Mensch zustimmen, hat die Waffe ihren wichtigsten Vorsprung verspielt. Das mag nicht ins Gewicht fallen, solange nur eine Armee autonome Waffen einsetzt. Kämpfen aber zwei autonome Waffensysteme gegeneinander, wird dasjenige im Vorteil sein, das eigenmächtig entscheidet. In einer solchen Lage könnten Militärs dazu verleitet sein, ihre Befehlsgewalt freiwillig aufzugeben.

Intelligente Drohnen, die sich zu einem Schwarm zusammenfinden? Das ist bereits Wirklichkeit.
Intelligente Drohnen, die sich zu einem Schwarm zusammenfinden? Das ist bereits Wirklichkeit. : Bild: dpa

Diese Versuchung wächst, je mehr Waffensysteme miteinander verschaltet sind. Ein Zentralrechner, der eine ganze Armee übersieht, kann schneller ausrechnen, wann sich ein Krieg lohnt, als jeder General. Es sind also Zweifel angebracht, ob der Mensch die Hoheit über autonome Waffensysteme behalten wird. Das geben Militärs selbst zu. Im März 2016 stellte der damalige amerikanische Vize-Verteidigungsminister, Robert Orton Work, zwar klar: „Wir werden einer Maschine die Entscheidung über tödliche Gewalt nicht überlassen.“ Doch Orton fügte hinzu, dass es Gegner der Amerikaner tun könnten. In einem solchen Fall, „werden wir Entscheidungen treffen müssen, um mitzuhalten“. Es sei daher „unaufhaltsam“, dass Computergehirne selbst entschieden, tödliche Gewalt anzuwenden. „Das wird passieren.“

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Ein Verbot ist nicht in Sicht

Trotz dieser Risiken sieht es nicht nach einem Verbot autonomer Waffen aus. Das Pentagon hat ihren Gebrauch mit seiner Direktive zwar beschränkt. Ausnahmen sind aber möglich. Wollte das Militär eine Waffe einsetzen, über die der Mensch keine abschließende Kontrolle hat, braucht es nur die Erlaubnis ranghoher Beamter aus dem Pentagon. Robotik-Experte Peter Asaro von der Universität Stanford sagt, der Passus schaffe außerdem Rechtssicherheit für Entwickler. Wer an Waffen arbeitet, die momentan noch verboten sind, muss sich nur ein paar Unterschriften besorgen. Einen Forschungsstopp braucht er nicht zu befürchten.

Auch die internationalen Bemühungen für einen Bann stocken. Im Dezember vergangenen Jahres trafen die Vertreter von über hundert Staaten am Sitz der Vereinten Nationen in Genf zusammen. Es ging um die Frage, wie gefährlich autonome Waffen sind. Tagelang redeten sich Fachleute die Köpfe heiß. Am Ende einigte man sich darauf, eine Expertengruppe ins Leben zu rufen. Es war ein erster Schritt. Denn eine solche Gruppe kann den Einsatz autonomer Waffensysteme ächten und für völkerrechtswidrig erklären.

Doch bevor es zur Abstimmung kam, bat der russische Vertreter um das Wort. Russland sei davon überzeugt, sagte er, dass die Formalisierung künftiger Diskussionen „voreilig wäre und keinen zusätzlichen Nutzen bringen würde“. Anschließend beschlossen die Staaten zwar einstimmig, eine Expertengruppe einzusetzen. Aber Russland hatte seinen Standpunkt klargemacht: Ein Verbot autonomer Waffen wird es auf keinen Fall akzeptieren.

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