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Autonome Waffen : Wenn Maschinen Krieg führen

Bisher soll die Perdix-Drohne nur den Luftraum überwachen. Aber Militärexperten sagen, in Wahrheit stecke in ihr eine Angriffswaffe: Von Drohnen, die in der Lage sind, sich zu versammeln, ist es nur noch ein Schritt hin zu Drohnen, die im Verbund ein Ziel angreifen. Und von dort nur noch ein Schritt hin zu Drohnen, die selbst entscheiden, welches Ziel das lohnenswerteste ist. Alles nur eine Frage der Software.

Gegner haben kaum eine Chance

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Das amerikanische Militär greift mit Perdix-Drohnen einen Truppenverband an. Tausende Drohnen mit Sprengstoff werden in der Nähe des Schlachtfeldes abgeworfen, bilden einen Schwarm und nähern sich dem Feind. Sie analysieren, wo Panzer stehen, wo sich die meisten Soldaten befinden, wo also die vielversprechendsten Ziele liegen. Und die greifen die Drohnen an. Dafür brauchen sie nicht zu verstehen, wozu eine militärische Formation gut ist, nicht mal, was ein Soldat ist. Sie müssen nur Erfolg haben.

Ein Vorteil autonomer Waffen: Wo Drohnen zum Einsatz kämen, könnten Soldaten in Sicherheit bleiben.

Der Gegner könnte einem solchen Angriff kaum etwas entgegensetzen. Gegen einen Schwarm von Tausenden Minidrohnen gibt es noch keine wirksame Verteidigung. Die Drohnen sind wendig und können Beschuss ausweichen. Sie tauschen sich mehrmals in der Sekunde aus, schneller, als der Mensch reagieren kann. Es wäre ein ungleicher Kampf. Der Schwarm könnte Hunderte Soldaten töten, selbst wenn ein Teil im Feuerhagel explodiert.

Die Soldaten können zuhause bleiben

Der angreifenden Armee wird es nichts ausmachen, wenn nur wenige Drohnen zur Heimatbasis zurückkehren. Dann produziert sie eben neue. Es ist ein Leichtes, diese Waffe massenhaft herzustellen. Ihre Hülle könnte künftig mit einem 3D-Drucker ausgedruckt werden. Daran forscht das amerikanische Militär seit Jahren. Der Einsatz solcher Drohnen würde also fast nichts kosten. Schon gar keine Menschenleben, denn die Soldaten blieben ja zu Hause. Der Schaden, den die Drohnen anrichten könnten, wäre dagegen immens.

Genauso ist das mit unbemannten Booten. Im vergangenen Jahr testete die amerikanische Navy ein Schiff mit dem Namen „Sea Hunter“. Es kann übers Meer fahren, sogar Hindernissen ausweichen, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. „Sea Hunter“ soll feindliche U-Boote aufspüren und jagen. Im Test verfolgte das Schiff ein U-Boot im Abstand von mehreren Kilometern. Es hat ein Sonar an Bord und die leistungsfähigsten Sensoren, die das Militär aufbieten kann. Schlafkojen gibt es keine und auch sonst nichts, was der Mensch zum Überleben braucht: keine Kombüse, Aufenthaltsräume oder Toiletten. Nur Abhörtechnik und Waffen. Der Einsatz von „Sea Hunter“ kostet deshalb nur einen Bruchteil dessen, was für ein bemanntes Schiff anfällt.

Aber die Navy will mehr; sie forscht bereits an selbstfahrenden U-Booten. Sie sollen den Feind beobachten und Ladungen transportieren. Sind solche Schiffe aber erst einmal erprobt, kann man sie mühelos bewaffnen. Sie gehen monatelang allein auf Tauchfahrt. Entdecken sie ein feindliches U-Boot, entscheiden sie selbst, was zu tun ist. Der Gegner wird die Schiffe kaum bemerken, denn dafür sind sie zu klein. Und sie verraten sich auch nicht, denn Funksprüche setzen sie nur selten ab. Mit ihnen könnte gelingen, was den Atommächten im Kalten Krieg verwehrt war: gegnerische U-Boote in den Weltmeeren aufzuspüren und ihnen überallhin zu folgen.

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