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Auswärtiges Amt : Fischer setzt Kommission ein

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Joseph Fischer Bild: REUTERS

Eine ausgewählte Historiker-Kommission soll die Rolle des Auswärtigen Amts im „Dritten Reich“ aufarbeiten. Dies kündigte der Außenminister auf der Personalversammlung seines Hauses an. Dort rechtfertigte er nochmals seine Entscheidungen zur „Gedenkpraxis“.

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          Mit der Geschichte des Auswärtigen Amts soll sich eine Historiker-Kommission befassen, deren genaue Zusammensetzung und deren präziser Auftrag im Zusammenwirken mit der Personalvertretung des Ministeriums festgelegt werden soll. Dies kündigte Außenminister Fischer am Montag auf der Personalversammlung seines Hauses an, vor der er überdies nochmals seine Entscheidungen zur sogenannten „Gedenkpraxis“ in der amtsinternen Mitarbeiterzeitschrift rechtfertigte sowie zur Frage des Visa-Untersuchungsausschusses Stellung nahm.

          Fischer sagte nach Angaben von Teilnehmern zur Visa-Affäre, er könne naturgemäß keine Details des Entscheidungsverhaltens ausbreiten, wolle aber doch den Dank abstatten an alle Kolleginnen und Kollegen, die in den Konsularabteilungen mit der schwierigen Arbeit der Visa-Erteilung befaßt seien. Zur Frage des Gedenkens für einstige NSDAP-Mitglieder sagte Fischer abermals, es gehe ihm nicht darum, über einzelne Biographien zu richten, sondern allein darum, künftig Vorfälle wie jenen Fall vor eineinhalb Jahren zu vermeiden, in welchem ein einstiger Kollege ein ehrendes Angedenken des Auswärtigen Amtes erhielt, obwohl er deutlich in die Unrechtsjustiz des Nationalsozialismus verstrickt war.

          Ansehensverlust im Amt

          Zuvor hatte es mehrere Wortmeldungen aus dem Kreis der Mitarbeiter im Weltsaal des Amtes gegeben, die anhand von Einzelfällen nachzuweisen suchten, daß eine bloße einstige Parteimitgliedschaft in der NSDAP anschließendes verdientes Wirken für die Bundesrepublik nicht ausschlösse. Auch gab es den Hinweis, die Akten lägen doch offen, sie müßten gar nicht erst gehoben und gesichtet werden. Fischer sagte, es sei jetzt wichtig, daß das Amt selber eine Initiative beginne, um Klarheit über seine Rolle in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur zu gewinnen.

          Auch der Ansehensverlust der Institution Auswärtiges Amt durch die jüngsten Ereignisse wurde erörtert. Es gab einzelne Beiträge, die bedauerten, daß interne Kritik an die Öffentlichkeit gelangt sei. Der Personalratsvorsitzende sagte, im Blick auf das Ansehen des Amtes seien einzelne Beiträge von Aktiven und von ehemaligen Bediensteten des Amtes als nicht besonders hilfreich zu werten.

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