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Austrittswelle : Irrelevante Kirche?

Vor Corona: Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im September 2016 in Fulda Bild: dpa

2019 wird als das Jahr in die Annalen eingehen, in dem die Ahnung zur Gewissheit geworden ist: Die Erosion der Institution Kirche ist auch durch noch so ambitionierte Reformen nicht aufzuhalten.

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          Für die katholische Kirche in Deutschland sollte das vergangene Jahr die Wende bringen: Unter dem Eindruck der verheerenden Befunde der MHG-Studie über sexuelle Gewalt in der Kirche vom September 2018 wollten sich die Bischöfe gemeinsam mit den Repräsentanten der Laienorganisationen auf einen „Synodalen Weg“ machen, auf dem es keine Tabus geben sollte. Über Macht und Missbrauch sollte ebenso freimütig gesprochen werden wie über Sexualmoral und die Benachteiligung von Frauen. So kam es auch – und dennoch kam es anders als gedacht.

          Gewiss liegen einer Zahl von 270.000 Austritten aus der katholischen Kirche im Jahr 2019 viele, vor allem gesellschaftliche Dynamiken zugrunde. Anders ließe sich kaum erklären, warum die evangelische Kirche in der Regel jeweils noch mehr Austritte zu verzeichnen hat. Und völlig unerwartet kommt der Anstieg um fast 60.000 binnen eines Jahres ebenfalls nicht. Nur wurde mit einer derartigen Explosion erst in einigen Jahren gerechnet und dann auch nur in den schlimmsten Szenarien.

          Nun aber wird 2019 als das Jahr in die Annalen eingehen, in dem die Ahnung zur Gewissheit geworden ist: Die Erosion der Institution Kirche ist auch durch noch so ambitionierte Reformen nicht aufzuhalten, ja vielleicht ist sie nicht einmal mehr zu verlangsamen. Gegen den „Synodalen Weg“ als solchen spricht das nicht. Doch ob er je zum Ziel führt, ist einer wachsenden Zahl von Christen gleichgültig. Kirche ist für sie schon lange vor „Corana“ irrelevant geworden.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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