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Internationale Beziehungen : Mehr Softpower für Europa!

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Anziehend für Menschen aus aller Welt: Touristen vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Bild: dpa

Softpower wird in den internationalen Beziehungen immer wichtiger – sogar Russlands Präsident Putin hätte gerne mehr davon. Ohne harte (militärische) Stärke ist aber auch eine sanfte Macht nichts wert. Ein Gastbeitrag.

          Viele Staaten wollen heute als „Softpower“ gelten. Die Vereinigten Staaten sind, ungeachtet ihres schillernden Staatsoberhaupts, noch immer die Softpower Nummer Eins, und auch Deutschland ist unbestreitbar eine Softpower. „Weiche Macht“ ist heute gefragt und wird politisch zunehmend attraktiver – auch für die autokratischen Großmächte Russland und China. Bei uns im Westen wird das noch wenig wahrgenommen. Dabei gibt es für diese Entwicklung handfeste Gründe. 

          Wie wird Softpower definiert? Große Kulturnationen wie China (Konfuzius Institute), Frankreich (Alliance Française) und Großbritannien (Vorbild der Demokratieentwicklung) erheben den Anspruch, die grundsätzliche Funktion der Softpower in der eigenen Entwicklung vorgeprägt zu haben. Die kürzeste Definition der Softpower lautet: „The ability to attract“, in etwa: attraktive Anziehungskraft. Anders formuliert: Politische Machtausübung aufgrund von kultureller Ausstrahlung und glaubwürdigen Angeboten der zwischenstaatlichen Kooperation. Ein zentrales Merkmal der Soft Power ist somit die Machtausübung durch die Beeinflussung der Ziele politischer Akteure, ohne dass dazu (wirtschaftliche) Anreize oder (militärische) Bedrohungen eingesetzt werden.

          Das Potential dieser „weichen Macht“ ist groß. Einflussreiche Groß- und Mittelmächte gehen mittlerweile der Frage nach, ob das eigene Land über genügend „Softpower“ verfügt.  Der chinesische Präsident Hu Jintao verkündete der kommunistischen Partei bereits 2007, dass China seine Softpower vergrößern müsse. Auch der russische Präsident Wladimir Putin forderte seine Diplomaten schon im Sommer 2013 dazu auf, vermehrt Softpower anzuwenden. Bis zum Herbst 2013 sollte das russische Außenministerium ein entsprechendes Konzept entwickeln  Mit der Besetzung der Krim und der militärischen Aggression gegen die Ost-Ukraine ab Anfang 2014 hatte sich die Frage nach der Softpower Russlands aber erst einmal erledigt.

          Wolf Poulet

          Auch in Frankreich und Großbritannien wird über den Begriff der Softpower schon seit langem diskutiert. In den Vereinigten Staaten wird der Begriff „soft“ gerne durch „smart“ ersetzt – die Prämissen bleiben aber identisch. Softpower repräsentiert Überzeugungs- und Anziehungskraft, vor allem aber Autorität, Glaubwürdigkeit und in Einzelfällen auch die Modellhaftigkeit eines Landes. Das Spektrum ist dabei weit gefasst, es reicht von der Anziehungskraft des „American Way of Life“ bis zu westlichen Werten wie Demokratie und Menschenrechten. Als klassisches Beispiel für Amerikas Soft Power gilt der „Marshall Plan“, von dem nach dem Krieg selbst ehemalige Feinde profitierten.

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