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Internationale Beziehungen : Mehr Softpower für Europa!

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Ingenieurskunst, Weltmeisterschaft, Rechtsstaat

Softpower kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise zustande kommen: durch beispielhafte Regierungsführung, durch eine als zuverlässig angesehene auswärtige Politik oder durch die Strahlkraft besonderer Leistungen in unterschiedlichen Gesellschaftsfeldern wie Kultur, Wissenschaft oder Sport. Die deutsche Softpower besteht vor allem aus der rechtsstaatlichen Grundordnung, aus kooperativer Außenpolitik, aber auch aus dem literarischen und musikalischen Erbe der großen Klassiker, aus innovativer Ingenieurskunst, einer stimmungsvollen Fußballweltmeisterschaft oder der urbanen Anziehungskraft der Hauptstadt Berlin. Überhaupt leistet die Zivilgesellschaft wichtige Impulse bei der Bewertung, wie groß die „weiche Macht“ einer Nation ist. Auch der hohe finanzielle Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit und für weltweite humanitäre Hilfe ist ein Faktor der deutschen Softpower, dessen Bedeutung man nicht unterschätzen sollte.

Die Anziehungskraft dieser Kombination ist groß: Im Jahresbericht des „Soft Power Survey“ wurde Deutschland 2013 von 30 Staaten zur Soft-Power Nr.1 gewählt, vor England, den Vereinigten Staaten, Frankreich, Japan, Schweden, Australien, Schweiz, Kanada und Italien. Zu den etwa 50 bewerteten Indikatoren für diese Einschätzung gehören unter anderem der Standard der Regierungsarbeit, die diplomatischen Strukturen, die kulturelle Leistungsfähigkeit, die Kapazität des Erziehungssystems oder die Anziehungskraft für ausländische Investoren. Auch die kulturellen Aktivitäten, olympische Medaillen (!), die Attraktivität der nationalen Architektur oder weltweit erfolgreiche Industrieprodukte spielen bei der Bewertung der Softpower eine Rolle. Im „Soft Power 30 Ranking 2016“ landete Deutschland auf Platz 3, nach den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Russland kam auf Platz 27, China auf Platz 28. Der aktuelle „Soft Power 30,  Ranking 2017“ listet Frankreich auf Platz Eins, begründet unter anderem mit der Dynamik von Präsident Macron. „Wir sehen Frankreichs globales Engagement und Einfluss stärker werden.“ Auf den Plätzen folgen Großbritannien, Vereinigte Staaten, Deutschland und Kanada.

Dass Russland im Softpower-Ranking auftaucht, kann nicht überraschen – auch Moskau hat die Bedeutung der „weichen Macht“ längst erkannt. Ihre Verwirklichung wird von vielen Fachleuten aber äußerst kritisch gesehen. „Nach dem Ende des Kommunismus ist es Russland nicht gelungen, Anziehungskraft auf die Nachbarländer auszuüben“, schrieb Jaroslaw Cwiek-Karpowicz im Juli 2012 in seinem Beitrag „Russlands Scheitern als Soft-Power“ für die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik. Und weiter: „Seine gesellschaftliche und politische Entwicklung wirkt wenig attraktiv. Zudem tritt es den Nachbarn weiter mit imperialem Gestus entgegen.“ Moskau missversteht „Softpower“ offenbar als Instrument zur Manipulation der öffentlichen Meinung in Zielländern. Russlands unzureichende Softpower-Aktivitäten rühren zudem aus seiner neoimperialen Einstellung gegenüber den Nachbarländern. Moskau ist unfähig, ihnen eine attraktive Integrationsperspektive zu bieten, ohne gleichzeitig in frühere Muster der Dominanz und der Abhängigkeit zu verfallen.“

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