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Umfrage der Körber-Stiftung : Die Deutschen schätzen Amerika wieder

US-Präsident Joe Biden am 30. Oktober mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz in Rom bei einem Treffen am Rande des G-20-Gipfels Bild: dpa

Ein Jahr nach der Abwahl Donald Trumps sind die Vereinigten Staaten für viele Deutsche wieder der wichtigste Partner, zeigt eine aktuelle Umfrage. Die Angst vor China wächst hingegen.

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          „Amerika ist zurück“, so lautet das Mantra des amerikanischen Präsidenten Joe Biden seit seinem Amtsantritt. Nicht überall verfängt es. In den Vereinigten Staaten stellen über die Hälfte der Bürger der Regierung mittlerweile ein schlechtes Zeugnis aus. In Deutschland aber hat der Wechsel von Donald Trump zu Joe Biden offenkundig zu einer Kehrtwende im Mei­nungsklima geführt. Denn den Zustand der transatlantischen Beziehungen beurteilen die Menschen hierzulande so gut wie seit langer Zeit nicht mehr.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Das geht aus der jüngsten Umfrage der Körber-Stiftung hervor, für die das Meinungsforschungsinstitut Kantar Public im September und Oktober jeweils über 1100 volljährige Wahlberechtigte nach ihren außenpolitischen Einstellungen befragte. Demnach beurteilen 71 Prozent der Befragten das Verhältnis zwischen Berlin und Washington wieder als gut oder sehr gut, nach 18 Prozent im Vorjahr.

          Prioritäten haben sich verschoben

          Mit der veränderten Sichtweise haben sich auch die Prioritäten bei den außenpolitischen Partnern verschoben: Für 44 Prozent sind die Vereinigten Staaten nun wieder der wichtigste. Frankreich, in der Trump-Ära klar vor den USA, bleibt nur noch für gut jeden Vierten die Nummer eins. Andere Staaten kommen für die tragende Rolle so gut wie gar nicht in Betracht, am ehesten noch China – für sechs Prozent.

          Deutliche Unterschiede gibt es bei den Antworten auf die Frage, wofür genau sich die Deutschen die Vereinigten Staaten als Partner wünschen. Die größte Einigkeit herrscht noch bei der klassischen Bündnisfunktion. 73 Prozent sehen die USA als Faustpfand für die Verteidigung Europas. Knapp zwei von drei Befragten setzen auf sie auch beim Schutz von Handelswegen und von Menschenrechten in der Welt, die Hälfte zudem beim Umgang mit Afghanistan. Beim Klimaschutz und beim Umgang mit China hingegen sieht nur eine Minderheit Amerika als Partner – 41 Prozent in beiden Fällen.

          Der wachsende Einfluss Chinas weckt bei den Befragten Ängste. Erstmals seit vier Jahren beurteilt mit 55 Prozent eine Mehrheit der Deutschen den weltweit wachsenden Einfluss Pekings als negativ. Demgegenüber halten ihn nur neun Prozent für positiv, 34 Prozent sehen ihn neutral. Mit Blick auf die Auswirkungen in Deutschland ist die Sorge noch größer. Etwa jeder Vierte hält China für eine große Bedrohung der Werte hierzulande, knapp die Hälfte für eine geringe. Damit ist die Sorge vor Chinas Wirkung auf Deutschland verbreiteter als jene vor der Wirkung Russlands, das 16 Prozent für eine große und 49 Prozent für eine kleine Bedrohung halten.

          Deutschland als Vorreiter beim Klimaschutz

          An der Spitze der außenpolitischen Herausforderungen verorten die Deutschen beide Länder aber nicht. Im Schatten des Abzugs aus Afghanistan rangiert die Lage in dem Land an erster Stelle. 31 Prozent äußern sich dementsprechend. Auf Platz zwei folgt der Klimawandel (21 Prozent). Wenn es um den Klimaschutz geht, sehen über die Hälfte Deutschland als Vorreiter innerhalb der Europäischen Union.

          Gefragt nach dem Einfluss eines künftigen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD), geben sich die Befragten verhalten optimistisch. 50 Prozent glauben, dass er Deutschlands Interessen in der Welt genauso gut vertreten wird, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) es getan hat. 14 Prozent trauen ihm gar zu, es besser zu machen. 27 Prozent fürchten, dass Scholz außenpolitisch hinter Merkel zurückfallen wird.

          Innerhalb der EU wünschen sich von Scholz 65 Prozent, die Außen- und Sicherheitspolitik zu stärken. Ob sich eine künftige Bundesregierung darüber hinaus bei internationalen Krisen stärker engagieren oder doch eher zurückhalten soll, darüber sind die Deutschen gespalten. 45 Prozent sind dafür, 50 Prozent dagegen. In diesem Punkt haben sich die Deutschen demnach nicht bewegt. Trump hin, Biden her.

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