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Ausschreitungen in Stuttgart : Die Zerstörungswut einer Partymeute

Von den 24 Personen haben zwölf die deutsche Staatsbürgerschaft, drei von ihnen stammen aus Einwandererfamilien. Die anderen zwölf Verdächtigen, die vorläufig festgenommen worden sind, haben keine deutsche Staatsbürgerschaft. Sieben Verdächtige sind Heranwachsende im Alter zwischen 18 und 21 Jahren, weitere sieben sind Jugendliche.

Ihren Anfang nahm die Krawallnacht gegen 23.30 Uhr im Schlossgarten, eine Polizeistreife kontrollierte einen 17 Jahre alten Deutschen wegen eines Drogendelikts. „Weil das ja gefragt werden wird, sage ich gleich, dass er weißer Hautfarbe war“, sagte Thomas Berger, der stellvertretende Stuttgarter Polizeipräsident, der in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Einsatzleitung hatte. Als es zur Kontrolle des Verdächtigen kam, hätten sich „200 bis 300 Personen“ aus der Partyszene mit ihm solidarisiert.

Auf dem Schlossplatz seien dann weitere 500 randalierende Sympathisanten hinzugekommen. Die Polizei sei aufgrund der Lage ohnehin schon mit hundert zusätzlichen Beamten in der Stadt im Einsatz gewesen, leider habe das Personalaufgebot aber nicht ausgereicht, um die Situation in den Griff zu bekommen. Polizeipräsident Lutz sprach von „unglaublichen Geschehnissen“, die er in seinen 46 Dienstjahren noch nicht erlebt habe.

„Es war ein bunter Mix rund um den Globus“

Auch sein Stellvertreter Berger sagte, auch er habe in dreißig Dienstjahren ein derartig brutales Vorgehen von Randalierern gegen die Polizei noch nicht erlebt. Die Ursachen der Ausschreitungen wollen die Stadt und die Polizei nun sorgfältig analysieren. „Einen linkspolitischen oder überhaupt einen politischen Hintergrund kann ich ausschließen. Diese Partywut ist ein Angriff auf die Stadt. Und ich kann nur an die jungen Menschen appellieren, sich davon zu distanzieren“, sagte Lutz.

Berger wollte auch keinen Zusammenhang mit der Rassismus-Debatte, die in den Vereinigten Staaten und in Deutschland nach dem Tod von George Floyd geführt wird, herstellen: „Die Situation der deutschen Polizei unterscheidet sich so stark von der in den Vereinigten Staaten, wenn wir darüber reden, brauchen wir mehr als eine Pressekonferenz.“ Unter den Randalierern seien Flüchtlinge gewesen, aber ebenso Deutsche, Italiener, Iraker, Bosnier. „Es war ein bunter Mix rund um den Globus.“

Die Stimmung unter den Polizisten war angespannt.

Seit Monaten beobachtet die Stuttgarter Polizei aber, dass in den sozialen Medien zu Gewalt gegen die Polizei aufgerufen wird, dass der Respekt deutlich abnehme. „Wer in Stuttgart gewalttätig auf die Polizei losgeht“, sagte Kuhn, „der gefährde die große Besonderheit Stuttgarts.“

Der Schlossgarten, unmittelbar in der Nähe der Staatsoper, ist an den Wochenenden ein beliebter Partyort, der besonders gern von Jugendlichen und Drogendealern aus dem Stuttgarter Umland frequentiert wird. Er bietet viele Möglichkeiten, Bluetooth-Boxen und regelrechte Alkohollager aufzubauen. Zum Wochenanfang gleicht die Grünanlage oft einer Müllhalde. Nun zeugen Blutspuren davon, dass es beim Feiern nicht immer friedlich zugeht.

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