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„Ausgebucht“ : Zu viele Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst

Übung an Beatmungs-Gerätschaften beim Bayerischen Roten Kreuz in Dachau: Der Bundesfreiwilligendienst wird überraschend gut angenommen Bild: dpa

Der neue Bundesfreiwilligendienst genießt einen solchen Zulauf, dass die Kontingente praktisch gefüllt sind. Nach F.A.Z.-Informationen rechnen die Träger bis zum Sommer mit insgesamt rund 60.000 Bewerbern für die 35.000 Plätze.

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           Dem neuen Bundesfreiwilligendienst (BFD) drohen Schwierigkeiten wegen zu großen Erfolges. Weil sich weitaus mehr Freiwillige für den Dienst anmelden als eingeplant und finanziert sind, drohen Bewerber von Februar an abgewiesen zu werden. Vom 31. Januar an müssen nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Plätze kontingentiert werden. In dieser Woche ist dazu ein Treffen der wichtigsten Trägerverbände mit dem Chef des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (Bafza), Jens Kreuter, in Berlin geplant.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Schon jetzt sind dem Vernehmen nach 32.000 Verträge abgeschlossen und weitere angemeldet. Damit ist das Kontingent praktisch erfüllt. Eine Abfrage des Bundesamtes bei den Trägerverbänden hat ergeben, dass bis zum Sommer mit 60.000 Interessenten gerechnet werden könnte, wenn für alle Stellen vorhanden wären. Die für den Freiwilligendienst zuständige Bundesjugendministerin Kristina Schröder (CDU) hat jedoch bislang in ihrem Etat nur 35.000 Plätze eingeplant. Das ist etwa die Hälfte der Stellen, die früher von Zivildienstleistenden besetzt worden waren. Weil dies ein Pflichtdienst für Kriegsdienstverweigerer war, wurde dieses Ziel im vergangenen Sommer von Kritikern als zu ehrgeizig kritisiert.

          Nun hat das Bafza in einem Informationsbrief vom vergangenen Freitag auf „Steuerungsnotwendigkeiten“ vorbereitet. Da die gemeldete Zahl „höchst erfreulicherweise weit über 35000“ liege, „ist damit zu rechnen, dass die zu verteilenden Kontingente nicht für alle Wünsche aller Zentralstellen ausreichen werden.“ Vor Zusage eines Vertrages müssten sich die Träger vergewissern, dass tatsächlich ein freier BFD-Platz zur Verfügung steht. „Von der bisher sehr weit verbreiteten Praxis rückwirkender Vertragsabschlüsse bitte ich daher ab sofort Abstand zu nehmen, da nicht immer und in jedem Fall gewährleistet ist, dass ein Freiwilliger, der dann womöglich schon seinen Einsatz begonnen hat, tatsächlich einen Vertrag erhalten kann.“

          Überdies ist die Zahl an Plätzen für die in der Zuständigkeit der Bundesländer liegenden sozialen (FSJ) und ökologischen (FÖJ) Freiwilligendienste auf 35000 gehoben worden, indem der Bundeszuschuss erhöht wurde. Dieses Kontingent ist jedoch ebenfalls bereits übertroffen. Weil der Bundesfreiwilligendienst bis zum Herbst nur sehr verhaltenen Zuspruch fand, hatten die Träger bei den Diensten FSJ, FÖJ und Auslandsjahr überziehen dürfen. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind derzeit 41000 Stellen besetzt, so dass hier nun um 6000 Stellen „heruntergefahren“ werden muss.

          Absagen für Bewerber

          In Erwartung einer Kontingentierung haben evangelische Träger von Freiwilligendienst-Stellen bereits Bewerbern abgesagt, weil absehbar ist, dass sie nur noch freiwerdende Stellen nachbesetzen können. Auch beim DRK herrscht faktisch Einstellungsstopp. DRK-Generalsekretär Graf Waldburg wirbt daher dafür, dass der Bund zusätzliches Geld für den Freiwilligendienst bereitstellt - zumindest bis 2013. Waldburg sagte dieser Zeitung: „Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Erfolgsmodell. Aber nachdem sich auch die Verbände so angestrengt haben mit Werbemaßnahmen und Einrichtung von Stellen, droht jetzt die Luft auszugehen.“ Er würde es daher begrüßen, wenn der Bund sich „mindestens bis 2013 entschließen könnte, weiteres Geld zuzuschießen“.

          Unterdessen hat das Verteidigungsministerium bestätigt, dass es plane, die freiwillig Wehrdienstleistenden beim Kindergeld den zivilen Freiwilligendiensten gleichzustellen. Sowohl beim BFD als auch bei den Diensten FSJ und FÖJ wird das Kindergeld an die Eltern fortgezahlt. Um das auch für Wehrdienstleistende zu ermöglichen, liefen Gespräche, vor allem mit dem Finanzministerium.

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