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Auschwitz-Befreiung : Wir dürfen nicht aufhören zu gedenken

  • -Aktualisiert am

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin Bild: dpa

Wer das Gefühl hat, es gebe einen „Schuldkult“ in Deutschland, hat nicht verstanden, in welcher Gesellschaft wir leben.

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          Im Oktober 1980 fand ein Student auf dem Gelände des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau den Kolben einer Thermoskanne. Jemand hatte ihn in der Nähe der Ruinen des Krematoriums III vergraben. Darin: 13 verwitterte Seiten des griechischen Kaufmanns Marcel Nadjari, geschrieben und vergraben im November 1944. Es war ein Abschiedsbrief an seine Familie. „Die Dramen, die meine Augen gesehen haben, sind unbeschreiblich“, schrieb Nadjari. Er erzählte, wie er als Lagerinsasse dem „Sonderkommando“ am Krematorium zugeteilt wurde. „Es ist ein großes Gebäude mit einem breiten Schornstein mit 15 Öfen. Unterhalb eines Gartens gibt es zwei große endlose Kellerräume. Der eine dient uns zum Auskleiden und der andere als Todeskammer, wo die Leute nackt hineingehen, und nachdem er mit etwa 3000 Personen gefüllt ist, wird er verschlossen, und sie vergasen sie.“

          Nadjari musste die Leichen bergen, sie verbrennen und ihre Asche sieben. Oft wollte er selbst sterben, überlegte, mit in den Tod zu gehen. Aber die Sehnsucht nach Rache hielt ihn am Leben. Die Flaschenpost endete mit der Bitte um Weiterleitung nach Griechenland: „Dies ist mein letzter Wunsch. Zum Tode verurteilt von den Deutschen, weil ich jüdischen Glaubens bin.“

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