https://www.faz.net/-gpf-a6u6f

Aufstand im Kölner Erzbistum : Wut auf Woelki

Er solle „das Richtige“ tun: Katholische Laien legen dem Kölner Kardinal Woelki den Rücktritt nahe. Bild: Andreas Pein

Ein Gutachten zu sexuellem Missbrauch wird zurückgehalten. Im Kölner Erzbistum bildet sich Widerstand gegen den Kardinal. Ranghohe Kirchenvertreter schämen sich für das Vorgehen.

          9 Min.

          Kardinal Woelki ist kein begnadeter, aber ein routinierter Prediger. Er weiß, worüber man im Advent sprechen muss: über das Warten. Der „Gesellschaft des Jetzt und Sofort“ falle es schwer zu warten, beklagte er. Denn Geduld sei etwas, das „wir heute kaum haben“. Das merke man gerade in der Adventszeit, die heute „irgendwie quasi unterzugehen“ scheine, weil die Weihnachtszeit alles in den Schatten stelle, sagt der Kölner Erzbischof – allerdings nicht in einer Predigt. Woelki stimmte sein Klagelied über den Zeitgeist während einer der drei „Informationsveranstaltungen zu den Hintergründen und dem aktuellen Sachstand zur unabhängigen Untersuchung zum Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln“ an.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Diese waren in den vergangenen Adventswochen dazu gedacht, Mitgliedern von Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen plausibel zu machen, warum Woelki keine andere Wahl hatte, als das von ihm im Herbst 2018 angeforderte Gutachten einer Münchner Kanzlei über sexualisierte Gewalt nicht zu veröffentlichen. Der Subtext seiner Botschaft war klar: Von einer Gesellschaft, die vor lauter Ungeduld nicht einmal mehr mit dem Advent etwas anfangen kann, darf man kein Verständnis dafür erwarten, dass der Kölner Kardinal bis zum 18. März auf ein zweites Gutachten warten will, weil das erste (das Woelki angeblich nie gesehen hat) doch gravierende methodische Mängel aufweise.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          2-G-Plus als Lackmustest für Impfwillige: Weil auch Immunität nicht in jedem Fall verhindern kann, dass Geimpfte andere anstecken, ist das Testen alles andere als   sinnlos.
              
               Foto 
              EPA

          Omikron-Ausbreitung : Die Pflichten der Geimpften

          Die evolutionären Reserven des Coronavirus sind lange unterschätzt worden. Nun macht es die Ausbreitung von Omikron nötig, das Impfmangement anzupassen.
          Zerknirscht in Hamburg: Olaf Scholz bittet in der Bürgerschaft um Entschuldigung für die G-20-Krawalle in Hamburg.

          Scholz in Hamburg : Führung bestellt, Führung bekommen

          Bevor es Olaf Scholz im Bund bis ganz nach oben schaffte, war er unter anderem Erster Bürgermeister in Hamburg. Aus dieser Zeit lässt sich viel für die künftige Ampelkoalition lernen.