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Freund von Anis Amri : Aufenthaltsort von Ben Ammar ist in Tunesien unbekannt

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Am 20. Dezember 2016 fuhr Anis Amri mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz und tötete dabei zwölf Menschen. Bild: dpa

Sechs Wochen nach dem Anschlag auf den Breitscheidplatz schoben deutsche Behörden einen engen Freund des Attentäters Anis Amri ab. Nun soll er befragt werden – doch Bilal Ben Ammar ist in Tunesien untergetaucht.

          Der Aufenthaltsort des nach Tunesien abgeschobenen Islamisten Bilal Ben Ammar ist den Behörden in dem nordafrikanischen Land nicht bekannt. Nach seiner Abschiebung aus Deutschland im Jahr 2017 sei gegen den Freund des Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz ermittelt worden, sagte Justizsprecher Sofiane Sliti der Deutschen Presse-Agentur. Ben Ammar befinde sich aber auf freiem Fuß, sein derzeitiger Aufenthaltsort sei nicht bekannt.

          Ben Ammar war ein Freund des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri. Am Abend vor Amris Anschlag aßen die beiden Tunesier gemeinsam in einem Lokal. Ben Ammar war am 1. Februar 2017 – sechs Wochen nach dem Anschlag in Berlin – abgeschoben worden. Dem islamistischen Gefährder konnte damals keine direkte Tatbeteiligung nachgewiesen werden. Die Grünen hatten die Vernehmung von Ben Ammar durch das Bundeskriminalamt (BKA) am Montag als „lieblos“ kritisiert.

          Ein Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages will den abgeschobenen Islamisten als Zeugen zu den Geschehnissen um den Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt vernehmen. Einen entsprechenden Beschluss wird der Ausschuss wahrscheinlich an diesem Donnerstag fassen. Amri tötete am 19. Dezember 2016 mit einem gekaperten Lastwagen zwölf Menschen, mehr als 70 Menschen wurden verletzt.

          Aus dem Bundesinnenministerium hieß es zu Ben Ammar: „Der Aufenthaltsort ist uns nicht bekannt.“ Ein Sprecher sagte: „Derzeit werden Prozesse innerhalb der Bundesregierung abgestimmt, Ben Ammar aufzufinden.“

          Die Grünen-Obfrau im Untersuchungsausschuss, Irene Mihalic, sagte, falls der Aufenthaltsort von Ben Ammar tatsächlich nicht mehr zu bestimmen sein sollte, wäre das Bundesinnenministerium mit dafür verantwortlich, dass „der bisher schwerste islamistische Anschlag in Deutschland wahrscheinlich nie vollständig aufgeklärt werden kann“.

          Der FDP-Obmann im Ausschuss, Benjamin Strasser, sagte, die Bundesregierung müsse erklären, wie sie den Aufenthaltsort von Ben Ammar zu ermitteln gedenke. „Wenn höchste Regierungskreise in seine Abschiebung eingebunden waren, muss der gleiche Elan in der Zusammenarbeit auch investiert werden, um seinen aktuellen Aufenthaltsort zu erfahren“, forderte Strasser.

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