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Aufarbeitung im Erzbistum Köln : Missbrauchte Betroffene

Rainer Maria Kardinal Woelki im September 2017 in Köln Bild: dpa

Der Erzbischof von Köln möchte ein Gutachten über sexuellen Missbrauch nicht veröffentlichen. Dafür benutzt Kardinal Woelki die Opfer: Der Betroffenenbeirat wird getäuscht.

          9 Min.

          Im November 2018 bekam das Erzbistum Köln jede Menge Vorschusslorbeeren: Als einer der ersten deutschen Bischöfe kündigte Rainer Maria Kardinal Woelki an, er werde einen Betroffenenbeirat für Opfer von sexualisierter Gewalt einrichten. Kurz zuvor, im September, hatte eine Studie im Auftrag der Bischofskonferenz ans Tageslicht gebracht, dass Missbrauch in der katholischen Kirche bis in die Gegenwart hinein systematisch vertuscht wurde. Man wolle Betroffenen „eine feste Stimme“ geben, kündigte Woelki damals in einem Video an. „Das bedeutet Austausch auf Augenhöhe.“

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Das Projekt gestaltete sich schwierig. Betroffene wurden aufgerufen, sich für den Beirat zu bewerben. Es meldeten sich aber so wenige, dass Woelki statt der maximal vorgesehenen zwölf Mitglieder nur zehn berufen konnte. Mehrere Mitglieder waren Angestellte des Erzbistums Köln oder von Woelki persönlich angesprochen worden. Auch die ursprünglich avisierte paritätische Besetzung kam nicht zustande. Der Beirat erhielt Unterstützung von der Interventionsstelle und der Präventionsstelle des Erzbistums. Außerdem wurde den Betroffenen zugesagt, dass sie Pressemitteilungen über die Pressestelle des Erzbistums versenden könnten. Eine unabhängige juristische Expertise stellte das Erzbistum dem Beirat nicht zur Seite. Allerdings äußerte auch kein Mitglied den Wunsch danach. Man könne bei Bedarf auf den Beraterstab des Erzbischofs zurückgreifen, bot das Erzbistum an.

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