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Aufarbeitung des Völkermords : Auschwitz vor Gericht

Späte Gerechtigkeit: Der Angeklagte Oswald Kaduk am 20. Dezember 1963 im Auschwitz-Prozess in Frankfurt Bild: dpa

Auch nach dem Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963 blieben viele Helfer und Helfershelfer des monströsen Völkermordes unbehelligt. Doch unabhängig von Strafprozessen gegen noch lebende Täter bleibt Auschwitz im Recht präsent.

          3 Min.

          Der Völkermord an den europäischen Juden war kaum zu glauben. Und aus heutiger Sicht kaum zu glauben ist auch, dass anfangs kaum jemand dafür belangt wurde. Das lag an der Monstrosität des Verbrechens, am Zusammenbruch Deutschlands, an alten Seilschaften, aber auch an Kollaboration und an einem fortbestehenden, weit über Deutschland hinaus verbreiteten Antisemitismus. Gewiss; es gab die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher, die wegen Vorbereitung und Durchführung eines Angriffskrieges, Verbrechen an der Zivilbevölkerung und an Kriegsgefangenen sowie für den Massenmord in den Vernichtungslagern strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurden. Von den vierundzwanzig Angeklagten wurden zwölf zum Tode und sieben zu Freiheitsstrafen verurteilt, drei wurden freigesprochen. Zwei Verfahren wurden eingestellt. Dieser Prozess war der erste von dreizehn „Nürnberger Prozessen“.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Doch bis zum Frankfurter Auschwitz-Prozess dauerte es bis 1963. Er dauerte 20 Monate. Sechs Angeklagte wurden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, zehn zu Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb und vierzehn Jahren und einer eine zehnjährige Jugendstrafe. Drei Angeklagte wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Es war ein Mammutverfahren von großer öffentlicher Aufmerksamkeit – die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete grundsätzlich jeden Tag auf einer ganzen Seite. Ein Großverfahren, das Furchtbares zutage förderte und das System des Grauens besser zu durchschauen half. Es richtete sich freilich lediglich gegen wenige Helfershelfer.

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