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Kampf gegen Corona : Auf der Endstation

Ständig in höchster Alarmbereitschaft: Ärzte und Pfleger kümmern sich auf der Intensivstation 18a für Corona-Infizierte mitten in der Nacht um todkranke Patienten Bild: Justus Bender

Das größte Problem in diesem Corona-Winter ist der Mangel an Intensivpflegern. Warum wollen den Job so wenige machen? Eine Nachtschicht auf Station 18a in Darmstadt.

          9 Min.

          Manchmal denkt Stefan, er würde lieber seinen Beruf aufgeben und als Klangtherapeut arbeiten, so mit Kindern, die vor Freude lachen, und einer kleinen Band, die vor Publikum spielt. Aber vielleicht sagt er das auch nur, weil er 24 Stunden lang nicht geschlafen hat und ihm der Rücken wehtut. Die Deutschen werden immer dicker, und wenn sie im Koma liegen, braucht es vier Pfleger, um sie zu drehen. Eigentlich weiß Stefan nur, dass er das nicht mehr schafft bis zur Rente, auch vom Kopf her. Ständig Menschen leiden zu sehen und ihre Gerüche auszuhalten, ihren Urin, ihren Kot im Bettlaken. Sterbende kommen auf die Intensivstation und werden so lange behandelt, bis die Maschinen das letzte bisschen Leben aus ihnen herausgepresst haben. „Dieses Totpflegen gehört zu den Dingen, die mich so richtig abfrusten“, sagt Stefan, und in den Klang seiner Stimme mischen sich die anderen Geräusche auf Station 18a des Darmstädter Klinikums, der Endstation für die ganz schweren Corona-Verläufe.

          Justus Bender
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Draußen auf dem Flur ist gerade Alarm, manchmal gibt es mehrere davon in einer Minute. Ein Monitor zeigt die Herzkurven, und immer wenn eine Kurve zu niedrig ist oder zu hoch, ertönt ein Alarmton, der wie die Glocke am Bahnübergang klingt, wenn die Schranke sich schließt. Die komatösen Corona-Kranken, die hier im Todeskampf liegen, geben kein Stöhnen oder Ächzen mehr von sich, für sie sprechen nur noch die Maschinen. Ihre Herzen rasen, als würden sie joggen, dabei liegen alle ganz still.

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