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Kommentar zur CSU : Der Kampf um das Erbe Seehofers

  • -Aktualisiert am

Ungewisse Zukunft: Der CSU-Parteitag könnte über Seehofers weitere politische Karriere entscheiden. Bild: TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Bei der CSU ist die Klarheit einer großen Unübersichtlichkeit gewichen. Wer die Zukunft der Partei gestalten wird, weiß niemand. Was die Wähler davon halten, zeigen die Umfragen.

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          Niemand kann sagen, dass die CSU einem weiß-blauen Separatismus frönt. Sie müht sich nach Kräften, die Ungewissheiten in der Berliner Republik in ihrem eigenen kleinen Sprengel nachzustellen. Horst Seehofer hat aus den Jamaika-Sondierungen neue Kraft geschöpft, auch was taktische Finessen anbelangt. Je näher der CSU-Parteitag rückt, desto enger wird das Zeitfenster für alle, die ihm ans Leder wollen. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner ist ihm bei den Sondierungen entglitten; bei Markus Söder, dem ewigen Frondeur in der eigenen Partei, ist Seehofers Griff fester.

          Eine andere, viel schwerwiegendere Frage ist, ob nicht seiner Partei, je länger sich ihre Spitzenleute ineinander verkeilen, die Wähler abhandenkommen. Die CSU schöpfte in den sechs Jahrzehnten, in denen sie in Bayern regiert, bislang ihre Stärke daraus, dass sie nach außen mit einer starken Stimme auftrat. Die unterschiedlichen Auffassungen, die in einer Volkspartei mit konservativen, liberalen und sozialen Wurzeln unvermeidlich sind, wurden zu Gehör gebracht, aber nicht in einer Dissonanz, dass den Wähler die Ohren schmerzten. Die Wähler wussten, wofür die CSU stand – und vor allem, wer für sie stand. Diese Klarheit ist einer großen Unübersichtlichkeit gewichen. Wer die Vergangenheit der CSU verkörpert, ist eindeutig: Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber und Horst Seehofer. Wer ihre Zukunft gestalten wird, weiß niemand. Gewählt wird aber nicht eine Vergangenheit, sondern die Zukunft. In Zeiten, in denen die Partei auf absolute Mehrheiten abonniert war, wartete sie nicht lange zu, wenn ihre Macht bedroht war; ihre Spitzenleute mussten weichen. Jetzt, die AfD und die Freien Wähler im Nacken, glaubt sie, sich den Luxus eines nicht enden wollenden Kampfs um das Erbe Seehofers leisten zu können. Die Umfragen sprechen eine deutliche Sprache, was die Wähler davon halten.

          Auch wenn es in der CSU niemand öffentlich sagt: Bei der Landtagswahl im nächsten Jahr geht es für die CSU nicht mehr um die Behauptung der absoluten Mehrheit. Sie wird darum kämpfen müssen, sich an der Vierzig-Prozent-Marke zu halten. Gelingt es ihr, könnte sie in der relativ komfortablen Lage sein, aus mehreren Koalitionsoptionen zu wählen. Bleibt sie zerstritten, ist das bislang Undenkbare nicht ausgeschlossen – dass sie im Münchner Maximilianeum auf den Oppositionsbänken landet.

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