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Shisha-Bars : Vom Trend zum Angriffsziel

Der Shisha-Trend in Deutschland ist vor mehr als einem Jahrzehnt in Berlin und im Rhein-Main-Gebiet entstanden. Bild: dpa

Der Attentäter von Hanau begann das Morden in einer Shisha-Bar. Davon gibt es immer mehr. Das freut viele junge Deutsche mit Migrationshintergrund – und stört viele Ausländerfeinde.

          2 Min.

          Der Boom der Shisha-Bars in Deutschland ist ungebrochen. Ob in großen oder kleinen Städten: Gerade jüngere Deutsche mit ausländischen Wurzeln und Migranten treffen sich heute oft lieber zum Wasserpfeife-Rauchen als zum Trinken. Für fünf Personen mit Migrationshintergrund endete dieses Vergnügen in der Nacht auf Donnerstag im Tod. Der Rechtsterrorist Tobias R. erschoss sie in Hanau in einer Shisha-Bar. Danach erschoss er vier weitere Fremde, seine Mutter sowie sich selbst.

          Aylin Güler
          Redakteurin für Social Media.

          Allein in Hessen gibt es inzwischen 444 Shisha-Bars. Das ging im Dezember 2019 aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage im Hessischen Landtag hervor. Gestellt hatte sie die AfD – und das allein zeigt, dass Shisha-Bars im heutigen Deutschland sehr viel mehr sind als ein Trend, der junge Leute begeistert. Sie sind zugleich ein Symbol. Viele Gäste mit Migrationshintergrund sehen im Wasserpfeife-Rauchen eine Möglichkeit, an die Traditionen in den Herkunftsländern ihrer Eltern anzuknüpfen. Rechtsnationale Politiker dagegen beschreiben sie als Beleg für eine „Überfremdung“ deutscher Städte.

          Mehr als 300 Shisha-Bars allein in Berlin

          Und als Hort von ausländischen Verbrechern. Denn auch in den Medien werden Shisha-Bars oft mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht. Da geht es um Razzien des Zoll gegen Strukturen der organisierten Kriminalität. Außerdem ist oft die Rede von den gesundheitlichen Folgen des Rauchens. In der Anfrage der hessischen AfD war es um illegalen, also gestreckten oder nicht versteuerten Tabak gegangen.

          In der Shisha-Bar „Midnight“ in Hanau wurde ein Attentat verübt, bei dem fünf Menschen getötet wurden.
          In der Shisha-Bar „Midnight“ in Hanau wurde ein Attentat verübt, bei dem fünf Menschen getötet wurden. : Bild: Frank Röth

          Vom Persischen Reich aus breitete sich die Shisha vor Hunderten Jahren in der arabischen Welt aus. Das Wort „Shisha“ stammt auch aus dem Persischen – „shishe“ bedeutet übersetzt „Flasche“. In der Türkei wird die Wasserpfeife außerdem als „Nargile“ bezeichnet.

          In Deutschland ist der Trend vor mehr als einem Jahrzehnt in Berlin und im Rhein-Main-Gebiet entstanden. Allein in Berlin wurden 2019 über 300 Shisha-Cafés gemeldet. In den oft dunklen Cafés hängt der Rauch in der Luft. Aus den Lautsprechern ertönt meist Deutsch-Rap, Hip-Hop oder R’n’B-Musik. An den Wänden hängen in der Regel große Fernseher. Manchmal werden Fußball-Spiele übertragen, manche Shisha-Bars organisieren Turniere für Fans des Videospiels FIFA.

          In den meisten Shisha-Bars sitzt ein mono-ethnisches Publikum: hier vor allem „Türken“, dort eher „Araber“. Nur selten sieht man ältere Deutsche ohne Migrationshintergrund. In erster Linie geht es den Gästen um die Geselligkeit. Egal ob in einem traditionellen Kaffeehaus, in dem sich ausschließlich Männer aufhalten oder in einer kosmopolitischen Shisha-Bar, in der sich überwiegend junge Leute aufhalten: Es geht ums Teilen, ums Zusammensein – für manche Migranten auch um ein Zusammensein mit den Angehörigen, die sie in ihrer Heimat zurückgelassen haben.

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