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Terrorverdacht in Hanau : Innenminister gehen von rechtsradikalem Hintergrund aus

  • Aktualisiert am

Ein Mitglied der Spurensicherung betritt am Donnerstagmorgen die Shisha-Bar, in der ein Mann am Mittwochabend mehrere Menschen getötet hat. Bild: Frank Röth

Der hessische Innenminister sagt, der mutmaßliche Täter von Hanau sei vorher nicht polizeilich bekannt gewesen. Es soll sich um einen Mann namens Tobias R. handeln. Er soll am Mittwochabend mindestens zehn Menschen und sich selbst umgebracht haben.

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          Nach den Schüssen mit mehreren Toten im hessischen Hanau ermittelt der Generalbundesanwalt wegen Terrorverdachts. Der mutmaßliche Todesschütze sei ein 43 Jahre alter Deutscher aus Hanau, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden. Es gebe Hinweise auf ein „fremdenfeindliches Motiv“. Bei der Gewalttat am späten Mittwochabend an mindestens drei verschiedenen Tatorten in Hanau seien neun Menschen gestorben, einer wurde schwer verletzt, mehrere andere verletzt.

          Der Täter habe später vermutlich sich und seine Mutter erschossen, sagte der Innenminister. Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe habe noch in der Nacht die Ermittlungen an sich gezogen. „Er stuft das Verbrechen als Verdacht einer terroristischen Gewalttat ein“, sagte Beuth. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr, sind unter den Todesopfern viele Menschen mit Migrationshintergrund.

          Hessens Innenminister erläuterte, der Todesschütze habe am späten Mittwochabend in einer Shisha-Bar und in einem Kiosk das Feuer eröffnet. Auch ein Auto sei beschossen worden. Beuth sagte, die Polizei werte derzeit die Homepage des mutmaßlichen Täters aus. „Erste Auswerteergebnisse der Homepage des vermeintlichen Täters deuten auf ein fremdenfeindliches Motiv hin“, sagte der Innenminister.

          Der Mann habe wohl allein gehandelt. „Bislang liegen keine Hinweise auf weitere Täter vor.“ Beuth verurteilte die Tat: „Es ist ein Anschlag auf unsere freie und friedliche Gesellschaft.“ Der mutmaßliche Täter – nach ersten Erkenntnissen ein Sportschütze, der die Waffen legal besessen hatte – sei zuvor nicht im Visier der Ermittler gewesen. Er sei weder als „fremdenfeindlich“ bekannt gewesen noch polizeilich in Erscheinung getreten.

          Nach der Tat sei der mutmaßliche Täter tot zuhause aufgefunden worden. Die Ermittler gehen demnach davon aus, dass der Mann seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst erschossen hat. „Beide wiesen Schussverletzungen auf, die Tatwaffe wurde bei dem mutmaßlichen Täter gefunden“, sagte Beuth.

          Nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann habe die Tat einen rechtsradikalen Hintergrund. Der Deutsche habe „eine Reihe überwiegend aus dem Ausland stammender Menschen erschossen“, sagte der CSU-Politiker in München nach einer Telefonschalte der Innenminister von Bund und Ländern. Man müsse aufgrund aufgefundener Materialien davon ausgehen, „dass es sich um einen rechtsradikalen, ausländerfeindlichen Hintergrund handelt“.

          Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte, die Tat schockiere, mache sprachlos und „unendlich traurig“. Er fügte hinzu: „Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir Einiges wissen, vieles noch nicht“, erklärte Bouffier. Er rief die Bürger auf, sich nicht an diesen Spekulationen zu beteiligen. Es sei noch zu früh für eine Beurteilung der Lage.

          Er habe am Morgen bereits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefoniert, um sie über die vorliegenden Erkenntnisse zu informieren, sagte Bouffier. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) und er selbst werden im Laufe des Tages nach Hanau fahren.

          Wenige Tage vor dem Verbrechen hatte der mutmaßliche Täter nach Informationen aus Sicherheitskreisen ein Video bei Youtube veröffentlicht. In diesem Video spricht der Mann in fließendem Englisch von einer „persönlichen Botschaft an alle Amerikaner“. Der Clip, der am Donnerstagmorgen weiter im Internet zu sehen war, wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen. Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten. Er behauptet auch, Deutschland werde von einem Geheimdienst gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei.

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