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Terror in Hanau : Ein Verbrechen, das fassungslos macht

Ein Projektil liegt am Donnerstagmorgen auf einer Straße nahe eines der Tatorte in Hanau. Bild: AP

Der mutmaßliche Mörder von Hanau war voller Hass auf Fremde und süchtig nach Verschwörungstheorien. Im Internet wächst eine Welt heran, die schaudern lässt.

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          Der Massenmord von Hanau macht fassungslos. Es ist ein Verbrechen, das zu beschreiben schwerfällt. Das gilt für jeden Terroranschlag, für jeden Amoklauf, für jeden Massenmord. Das erste Mitgefühl gilt den Opfern. Aber natürlich will die Gesellschaft, die sie betrauert, wissen, wer der Täter ist und die eine Frage beantwortet haben: Warum?

          Es hilft zu begreifen – und zu reagieren, wenn Motive klar werden. Wenn fassbar wird, wie es dazu kommen konnte. Gerade da aber lassen die Taten, die im Graubereich von Terror und Amoklauf liegen, den Staat und die Gesellschaft, in der sie begangen werden, ratlos und auch hilflos zurück. Der Massenmord von Hanau war wieder eine Tat, die mit dem Netz, mit Videokanälen, mit Verschwörungstheorien, mutmaßlich mit einer im Digitalen gewachsenen, zum Massenphänomen gewucherten Psychose zu tun haben.

          Verkehrte Welt als Geschäftsmodell

          Der mutmaßliche Täter Tobias R. verband diese Verrücktheiten wie viele andere Verschwörungstheoretiker mit Fremdenhass, mit einer rechtsextremistischen Gesinnung und mit militantem Fanatismus. Davon kursiert im Netz mittlerweile ein eigener Kosmos, der alles widerlegt, was einst an Hoffnungen auf das Internet gerichtet war. 

          Die Botschaft in einem der Videos von R. lautet: Vertraut nicht den „Mainstream-Medien“ und beschafft Euch „Information“! Das ist in einem Satz die Handlungsanweisung, die in die Irre führt: wenn für Information gehalten wird, was Wahnvorstellungen sind, und für Lüge, was um die Wahrheit bemüht ist. In der digitalen Welt ist diese verkehrte Welt zum Geschäftsmodell geworden – zum politischen, zum extremistischen, zum terroristischen. Verantwortung müssen deshalb all diejenigen übernehmen, die von diesem Geschäftsmodell leben oder profitieren.

          Die Bundesregierung hat erst am Mittwoch ein Gesetz zur Bekämpfung der so entstandenen Hasskriminalität auf den Weg gebracht. Es ist ein Anfang, aber sicherlich noch nicht das Ende. Zur Wahrheit gehört aber auch: Verschwörungstheorien, Verfolgungswahn und Menschenverachtung werden sich im Darkroom des Internets weiter ihren Weg bahnen. Eine Gegenwelt zu kultivieren, dazu sollte Hanau mahnen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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