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Attentäter von München : Führen Depressionen in den Amoklauf?

  • Aktualisiert am

Vor dem Einkaufszentrum in München zeigen viele Menschen ihre Trauer. Bild: dpa

Der Täter von München hat an Depressionen gelitten. Ein Fachmann warnt davor, die falschen Schlüsse daraus zu ziehen.

          Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe befürchtet nach dem Amoklauf von München eine Stigmatisierung von psychisch Kranken. „Mit großer Sicherheit kommt eine Depression des Täters als Ursache für den Amoklauf in München nicht in Frage“, schreibt Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung in einer Mitteilung. Selbst wenn der Amokläufer wegen einer Depression behandelt worden ist, so heiße dies nicht, dass diese bei der Tat eine Rolle gespielt hat, meint der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig.

          Am Samstag war bekannt geworden, dass der 18 Jahre alte Amokläufer, der am Tag zuvor neun Passanten und sich selbst erschossen hatte, an Depressionen erkrankt war. Hegerl warnt davor, diese Information falsch zu interpretieren. „Den Amoklauf fälschlicherweise als Folge einer Depression darzustellen, verstärkt die Stigmatisierung depressiv Erkrankter.“ Das erhöhe für sie die Hürde, sich professionelle Hilfe zu holen.

          Depressive als „verantwortungsvolle Menschen“

          Nicht optimal behandelte Depressionen sind nach Hegerls Worten die Hauptursache für die jährlich circa 10.000 Suizide und 150.000 Suizidversuche in Deutschland. „Eine Zunahme der Stigmatisierung wird zu einer Zunahme der Suizide führen.“

          Es gebe keine Hinweise, dass depressive Menschen öfter Gewalttaten als andere begingen. Eher sogar im Gegenteil: „Depressiv erkrankte Menschen sind im gesunden Zustand meist besonders verantwortungsvolle, fürsorgliche Menschen.“ In der depressiven Krankheitsphase neigten sie zu übertriebenen Schuldgefühlen. „Sie geben immer sich selbst die Schuld, nicht anderen und würden deshalb nie auf den Gedanken kommen, fremde Menschen in einem Amoklauf zu töten.“

          Zuvor hatte der Buchautor Peter Langman gesagt, dass es durchaus eine Verbindung zwischen Massakern und Depression gebe – ein Indiz, auf das auch schon die Münchner Polizei auf ihrer Pressekonferenz am Samstag hingewiesen hatte. Langmans Buch - „Amok im Kopf“ - war im Zimmer des Amokläufers von München gefunden worden. „Von den zehn Amokläufern in diesem Buch litten neun an Depressionen und Selbstmordgedanken“, sagte er. Viele hielten sich für Versager und beneideten ihre Kameraden, die glücklicher und erfolgreicher zu sein schienen. Dieser Neid verwandelte sich oft in Hass, Wut und Mordfantasien.“

          Dennoch sei auch eine Depression allein kein zureichender Erklärungsgrund für die Taten. Es gebe „keine einfache Erklärung für das Phänomen des jugendlichen Amokläufers oder eine Formel, nach der sich voraussagen ließe, wer zum Massenmörder wird. (...) Das Problem ist zu komplex und es gibt vieles, was wir nicht wissen.“

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