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Attacken an Humboldt-Uni : Unser Professor, der Rassist

  • -Aktualisiert am

Baberowski und sein Kollege Brinkmann kommen am Telefon ungefragt auf ihre Studenten zu sprechen. Die seien also folgendermaßen: sehr angenehm, fleißig, fair, kritisch, engagiert. Baberowski betont noch: sehr höflich. Die Professoren sind sich einig, dass die Anonymen eine winzige Minderheit sind. Mit überproportionaler Publicity. Das ist ein typisches Berlin-Phänomen. Und es ist dann auch kein Zufall, dass es Professoren einer Berliner Hochschule sind, die derart angegriffen werden. An anderen Hochschulen passiert das kaum, und wenn doch, dann weniger krass.

Berlin ist der Ort in Deutschland, an dem es zum guten Ton gehört, extrem zu sein. Viele Berliner leben natürlich auch brav vor sich hin, lassen sich tätowieren und halten das für extrem. Andere gehen 30 Stunden lang in den Club und kotzen danach in die Bahn. Wieder andere studieren, nur zum Beispiel, Gender Studies an der Humboldt-Universität und lernen bei Lann Hornscheidt. Hornscheidt lässt sich Professx nennen. Alle anderen Anreden sollen die Studenten vermeiden, etwa „Professor“ oder „Professorin“. Auf einer Internetseite, die Hornscheidt im Impressum führt, finden sich Vorschläge für „Interventionen“ gegen Sexismus und Rassismus. Eine Idee sind Treffen, um zu überlegen, wie man „kollektiv stören kann“, um „öffentliche Vorlesungen zu verhindern“. Andere Ideen sind Seiten aus Büchern herausreißen, Kaugummis auf Stühle von „sexistischen Mackertypen“ kleben und „Blogartikel veröffentlichen“.

Wer steckt hinter den Internetseiten?

Hornscheidt gibt die Internetseite in Seminaren als Literaturempfehlung an. Manche an der Universität glauben, dass Studenten der Gender Studies an den anonymen Aktionen beteiligt sind. Zum Beispiel in Brinkmanns Vorlesung. Studenten wollen einige von ihnen erkannt haben unter denen, die klatschten und schrieen, bis die Polizei kam. Manche Professoren glauben, dass es wieder Leute aus diesem Umfeld sind, die jetzt „Münklerwatch“ betreiben. Andere vermuten, dass es die Trotzkisten-Jugend ist.

Brinkmann und Baberowski haben beide den Eindruck, dass an bestimmten Aktionen Leute „von außen“ teilnehmen, die gar keine Studenten sind. Baberowski meint zum Beispiel „Altkader von extremistischen Parteien“, die in seinen Veranstaltungen auftraten, Leute über 50. Wer später anonym im Internet darüber schreibt, kann sich Student nennen oder Einhorn, überprüfen kann es niemand. Das ist ja das Schöne daran.

Aber ganz egal, wer es ist: Er kann hoffen, dass es in Deutschland so weitergeht wie in Amerika. Dort werden Professoren schon länger auf diese Art bedrängt. Vor ein paar Wochen erst beschrieb ein langer Artikel der „New York Times“ verschiedene Fälle: Gemeinsam war ihnen, dass anerkannte Wissenschaftler daran gehindert werden sollten, aufzutreten oder über Themen zu sprechen, bei denen Studenten ihnen die Kompetenz absprachen (zum Beispiel Abtreibung). Eine Studentengruppe am Hampshire College lud sogar eine Afrofunk-Band wieder aus, nachdem die im Internet dafür angegriffen worden war, dass zu viele Weiße in der Band spielten. Die Studenten sagten, sie fühlten sich „unsicher“ durch die hasserfüllte Netzdebatte, darum solle die Band nicht spielen.

Die Einschüchterung funktioniert, in Amerika und in Berlin. Sie ist eine alte Waffe, doch im Internet trifft sie so gefährlich wie nie.

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