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Asylbewerber : Bundesamt: Zahl der Flüchtlinge aus Syrien wird wachsen

  • Aktualisiert am

Flüchtlinge an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. Bild: dpa

Künftig dürften noch mehr Menschen aus Syrien kommen, prognostiziert das Flüchtlingsamt. Die Innen- und Justizminister der EU haben ein Krisentreffen einberufen. Grund sei die beispiellose Lage innerhalb und außerhalb Europas.

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          Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geht davon aus, dass noch mehr Menschen aus Syrien in Deutschland Zuflucht suchen werden. Die Lage in Transitländern wie der Türkei oder im Libanon werde schlechter und die Hoffnungslosigkeit der Syrer größer, sagte Behördenpräsident Manfred Schmidt in einem Interview von Spiegel Online laut Vorabmeldung.

          Viele, die in Nachbarländer geflohen seien, hätten eigentlich zurückkehren wollen. „Aber jetzt merken sie: In Syrien wird die Lage immer schlimmer." Sie wollten jetzt dahin, wo sie eine Chance sähen, ihr Leben aufzubauen. Schmidt rechnet außerdem mit vielen Nachreisenden. Demnach könnten allein 200.000 Familienangehörige von Syrern nach Deutschland kommen.

          Sondertreffen der EU-Innen- und Justizminister

          Unterdessen wollen die Innen- und Justizminister der Europäischen Union auf einem Sondertreffen in zwei Wochen über die Flüchtlingskrise beraten. Die Lage innerhalb und außerhalb der Gemeinschaft sei beispiellos, erklärte die luxemburgische Regierung am Sonntagabend zur Begründung. Das Land sitzt zurzeit dem EU-Rat vor.

          Bei dem Ministertreffen am 14. September geht es nach Angaben aus Luxemburg unter anderem um die Rückkehr von Flüchtlingen, die internationale Zusammenarbeit und Maßnahmen gegen Schlepperbanden. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, Flüchtlinge nach einer verbindlichen Quote in Mitgliedstaaten zu verteilen. Dagegen gibt es aber großen Widerstand vor allem von Großbritannien und osteuropäischen Ländern

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Sonntag eine schnelle und faire Verteilung der Asylbewerber in der EU angemahnt. Die Bundesrepublik ist am stärksten betroffen und erwartet in diesem Jahr 800.000 Flüchtlinge.

          Die große Koalition trifft sich am kommenden Sonntag, um über die Krise zu beraten.Die Spitzen der Union kamen bereits am Sonntag zusammen, um über die Krise zu sprechen. Einzelheiten wurden nach dem Treffen zunächst nicht bekannt.

          Der Vorsitzende der Innenminister-Konferenz, Roger Lewentz (SPD), forderte im Kampf gegen Schleuser einen verstärkten Einsatz der internationalen Polizeibehörden Interpol und Europol. Bei den Menschenschmugglern handele es sich um „international agierende Banden“, sagte der rheinland-pfälzische Minister der „Welt“. „Deshalb brauchen wir die Hilfe von Europol und Interpol, um deren Strukturen zu zerschlagen.“ Diese organisierte Kriminalität könne bekämpft werden, „wir müssen es nur wollen“, mahnte Lewentz. „Das heißt aber auch: Mehr Personal, mehr Geld, und zwar schnell.“

          Spätestens der Fall der elendig erstickten Menschen in einem in Österreich entdeckten Laster müsse alle wachrütteln. „Wir müssen mit aller Härte gegen die Schlepper vorgehen“, forderte Lewentz in der „Welt“. Als weitere Maßnahme schlug er vor, künftig Lastwagen „viel intensiver“ zu kontrollieren. „Auf deren Bewegungen an den Grenzen muss unser Augenmerk liegen“, sagte der SPD-Politiker. Es dürfe nicht wieder geschehen, dass Menschen eingepfercht in Transportern ohne Sonnenlicht tagelang um ihr Leben kämpfen.

          Mit Blick auf die jüngsten Ausschreitungen im sächsischen Heidenau und Angriffe gegen Asylbewerberunterkünfte erklärte Lewentz: „Im Osten ist es offenkundig so, dass Migranten Angst und Fremdenfeindlichkeit auslösen. Und zwar in einem Ausmaß, das wir im Westen nicht für möglich gehalten haben.“ Lewentz sieht dafür historische Gründe: Der Osten habe über Jahrzehnte keinen umfangreichen Zuzug aus anderen Kulturen gekannt. „Das Zusammenleben mit Menschen mit Migrationshintergründen muss gelernt werden.“ Im Osten lebten deutlich weniger Flüchtlinge und Migranten, dennoch sei die Aggressivität dort besonders hoch, sagte Lewentz. „Das ist bedrückend und befremdlich.“

          Am Wochenende hatten ostdeutsche Ministerpräsidenten davor gewarnt, Fremdenhass als rein ostdeutsches Problem zu betrachten. Brandenburger Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) verwies in der „Welt am Sonntag“ darauf, dass es auch Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in westdeutschen Ländern gegeben habe. Sachsens Ministerpräsident, Stanislaw Tillich (CDU), sagte, Fremdeinfeindlichkeit sei nicht das Problem eines einzelnen Bundeslandes, sondern „eine Herausforderung für das ganze Land und die Gesellschaft“.

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