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Asylanträge in Deutschland : Im Stich gelassen

Bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise tragen die Deutschen eine große Last. Deswegen über falsche Anreize und Signale zu sprechen ist müßig. Denn: Deutschland hat Aleppo nicht bombardiert.

          Die Deutschen haben schon lange das Gefühl, dass sie bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise eine überproportional große Last zu tragen haben. In einer Umfrage vom vergangenen Oktober sagten rund drei Viertel der Befragten, Deutschland werde von seinen Partnern in der EU im Stich gelassen. Tatsächlich entsprechen neuere Zahlen über die Verteilung von Asylanträgen in der EU fast haargenau dem deutschen Stimmungsbild: In den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 wurden in Deutschland mehr Asylanträge gestellt als in den übrigen 27 EU-Staaten zusammen – 62 Prozent! In Italien waren es weniger als zehn, in Frankreich etwa sechs Prozent.

          Man kann lang und breit über falsche Anreize und falsche Signale, über die Relevanz historisch-kultureller Einstellungen und die Wunschziele der Migranten reden: Aber niemand braucht sich zu wundern, wenn demnächst bei einem anderen Thema in der EU Solidarität angemahnt wird und viele Deutsche sich der Haltung der Partner erinnern, in den Flüchtlingen allein ein deutsches Problem zu sehen. Deutschland hat Aleppo jedenfalls nicht bombardiert.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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