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Diskussion um Impfreihenfolge : Kretschmann und Söder: Astra-Zeneca-Impfstoff nicht ungenutzt lassen

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Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, treffen sich vergangenen April in Ulm. Bild: Stefan Puchner/dpa

Falls Menschen auf ihre Impfung verzichten, müssen Andere schnell zum Zug kommen, fordern die beiden Ministerpräsidenten – und zwar auch, wenn sie eigentlich noch nicht an der Reihe wären. Unterdessen sind die meisten Deutschen laut einer Umfrage gegen Erleichterungen für bereits Geimpfte.

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          Aus den Bundesländern kommen Forderungen nach einer Lockerung der Impfreihenfolge, um die Verschwendung von liegen gebliebenem Corona-Impfstoff zu vermeiden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schlug vor, hunderttausende ungenutzte Dosen des Astra-Zeneca-Impfstoffs aus den Depots der Bundesländer zur Impfung für alle freizugeben. „Bevor er liegen bleibt: impfen wer will. Es darf keine Dose (sic) von Astra-Zeneca übrig bleiben oder weggeschmissen werden. Denn jeder Geimpfte schützt sich und andere“, sagte Söder der „Bild am Sonntag“.

          Deutschland müsse beim Impfen Tempo machen: „Jeder Tag zählt.“ Es könne nicht sein, dass einerseits zu wenig Impfstoff vorhanden sei, aber andererseits Astra-Zeneca-Vakzin „in hohen Zahlen nicht verimpft wird“. Der bayerische Regierungschef strebt daher eine bundesweite Regelung an, für das Astrazeneca-Vakzin die Impfreihenfolge zu lockern. Zudem solle der Impfstoff auch durch Hausärzte verimpft werden können.

          Kretschmann: Strenges Impfregiment auflockern

          Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach sich ebenfalls dafür aus, den Zugang zu Impfstoff für alle Bevölkerungsgruppen zu öffnen, solange einige Vakzine auf Vorbehalte stoßen. „Die Priorisierung ist unbedingt wichtig – zumindest solange der Impfstoff noch Mangelware ist. Zugleich können wir es uns nicht leisten, dass Impfstoff herumsteht und nicht verimpft wird, weil Teile der Berechtigten ihn ablehnen. Dann müssen wir dieses strenge Regiment auflockern und Menschen impfen, die nach der Priorisierung noch nicht an der Reihe wären“, sagte Kretschmann der „Welt am Sonntag“.

          Der Corona-Impfstoff von Astra-Zeneca stößt in Deutschland bei Manchen auf Akzeptanzprobleme. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt das Mittel bisher nur für Menschen unter 65 Jahren, hat aber angekündigt, ihre Empfehlung rasch zu ändern.

          Mehrheit gegen Lockerungen für Geimpfte

          Frühzeitige Lockerungen der Einschränkungen für Geimpfte lehnt eine knappe Mehrheit der Deutschen laut einer Umfrage ab. Das ergab eine repräsentative Befragung der Wirtschaftsauskunftei Schufa im Auftrag der „Welt am Sonntag“. 55 Prozent der Bürger stehen einem solchen Schritt demnach kritisch gegenüber – darunter 28 Prozent, die dem „gar nicht“ zustimmen. Im Gegensatz dazu befürworten lediglich 17 Prozent Lockerungen für Geimpfte „voll und ganz“.

          Besonders groß sei die Ablehnung unter denjenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, sobald sie die Möglichkeit dazu haben. Von ihnen sprächen sich rund 78 Prozent gegen Lockerungen der Corona-Einschränkungen für Geimpfte aus.

          Die aktuellen Entwicklungen bei der Impfkampagne machten indes 60 Prozent der Teilnehmer Hoffnung, dass es bald zu Lockerungen der Maßnahmen kommt. 69 Prozent der Menschen wollten sich impfen lassen, sobald sie die Möglichkeit haben.

          Mit 63 Prozent hält laut der Umfrage zwar immer noch eine Mehrheit der Deutschen die Corona-Maßnahmen für angemessen. Der Rückhalt der Bevölkerung für die Politik der Bundesregierung ist in den vergangenen Monaten jedoch gesunken. So fanden die Maßnahmen im November noch eine Zustimmung von 69 Prozent, im September von 73 Prozent. Damals gab es allerdings deutlich weniger Einschränkungen. Für die repräsentative Umfrage hat die Schufa 1.001 Menschen zwischen dem 11. und 25. Februar befragt.

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