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Armutseinwanderung von Roma : „Das Heil Osteuropas liegt nicht in Deutschland“

  • -Aktualisiert am

Berlin: Vor der Gedenkstätte für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Bild: dpa

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Rose, warnt in der Sonntagszeitung davor, Roma in die „Kriminalitätsecke“ zu drängen. Deutschland könne die Probleme in den Herkunftsländern aber auch nicht lösen. Dazu gehören ausbeuterische Clanstrukturen, wie F.A.S.-Recherchen belegen.

          Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, hat davor gewarnt, „Menschen, die hierher kommen, weil sie in ihrer Heimat ohne Perspektive sind, in die Kriminalitätsecke“ zu drängen. Von der Politik wünsche er sich zwar Ehrlichkeit im Umgang mit der Armutszuwanderung, er wandte sich aber scharf dagegen, das Problem zu ethnisieren, „weil das die gesamte Minderheit der Roma erneut ausgrenzt und stigmatisiert“. Der Antiziganismus müsse in Deutschland genauso geächtet werden wie der Antisemitismus.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Rose forderte den Bund auf, die mit der Armutszuwanderung „überforderten Kommunen“ nicht im Stich zu lassen. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) wies er aber auch darauf hin, dass Deutschland die massiven Probleme gerade der Roma in den Herkunftsländern nicht lösen könne. „Das Heil Osteuropas liegt nicht in Deutschland“, sagte Rose. Man könne Not leidenden Roma aus Rumänien oder Bulgarien nicht empfehlen, nach Deutschland zu kommen, „weil die Zahl viel zu groß ist und viele davon dauerhaft von Sozialtransfers abhängig wären“.

          Romani Rose

          Rose forderte die Bundesregierung auf, „viel mehr Druck“ auf Länder wie Rumänien oder Bulgarien auszuüben, damit diese endlich gegen Ausgrenzung und Rassismus vorgehen. Das sei umso wichtiger, „als es selbst in Westeuropa Politiker wie Berlusconi gibt, die mit Antiziganismus Wahlkampf machen“.

          Schwerer Kindesmissbrauch

          Der Sozialpädagoge Norbert Ceipek, der sich in Wien seit Jahren um vernachlässigte und missbrauchte Roma-Kinder kümmert, kritisierte in der F.A.S. die ausbeuterischen Strukturen, die in vielen Roma-Clans vorherrschten. Schwerreiche Clanchefs halten seiner Kenntnis nach ihre Untergebenen in einer Schuldknechtschaft. Vor allem Kinder würden systematisch von Bildung ferngehalten und zur Bettelei oder Prostitution nach Westeuropa geschickt, um dort den Reichtum der Clanchefs zu mehren. „Jedes Kind muss pro Tag 350 Euro abliefern“, sagte Ceipek der F.A.S. „Man kann sich dann ausrechnen, wie viel ein einziger Clanchef im Jahr verdient, wenn vielleicht 70 oder mehr Kinder für ihn in verschiedenen Städten unterwegs sind. Und das ist nur das Geschäft mit den Kindern.“

          Wenn ein Kind das Soll nicht erfüllt, bekomme die Aufpasserin, die mit den Kindern nach Westeuropa geschickt werde,  Stress, weil sie dann den Mittelsmännern, die vom Clanchef befehligt werden, am Monatsende nicht die festgesetzte Summe übergeben kann. Es sei nicht unüblich, dass Roma-Kinder dann für ein paar Tage an Freier weitervermietet würden, um so die fehlende Geldsumme dazuzuverdienen.

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