https://www.faz.net/-gpf-98f6x

Seehofer-Debatte : Laschet will staatliche Anerkennung des Islams

  • Aktualisiert am

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet in Düsseldorf. Bild: dpa

„Theoretische Debatten helfen nicht weiter“ sagt der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet in Hinblick auf die Islamdebatte. Er fordert, den Islam als Religionsgemeinschaft staatlich anzuerkennen.

          In der Debatte um den Islam in Deutschland hat CDU-Parteivize Armin Laschet eine staatliche Anerkennung für Muslime als Religionsgemeinschaft gefordert. „Es braucht Regeln für den Islam in einer zunehmend säkularen Gesellschaft“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Dazu gehört eine Klärung des Verhältnisses zum Staat, so wie wir es mit den christlichen Kirchen seit Langem haben.“

          Die Anerkennung als Religionsgemeinschaft sei ein ambitioniertes Ziel, das Laschet für richtig und wichtig halte. Es sei aber rechtlich kompliziert. „Staatskirchliche Fragen sind vor allem in den Bundesländern zu lösen“, sagte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Zur Aussage von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der Islam gehöre nicht zu Deutschland, sagte er: „Theoretische Debatten helfen nicht weiter. Wir müssen uns um das Lösen von Problemen kümmern.“

          SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil appellierte an CDU und CSU, anstelle internen Streits den Koalitionsvertrag umzusetzen. „Mein Eindruck ist, dass die Menschen wenig Verständnis für diese ständigen Reibereien zwischen CDU und CSU haben“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

          Grünen-Chefin Annalena Baerbock kritisierte Seehofers Festhalten an seiner Ansicht, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Bundestag betont hatte, dass der Islam für sie zu Deutschland gehöre. „Wenn der Innenminister trotz Merkels Regierungserklärung diese Selbstverständlichkeit erneut infrage stellt, muss die Kanzlerin auf ihre Richtlinienkompetenz verweisen“, erklärte Baerbock. Seehofer hatte der Zeitschrift „Spiegel“ gesagt: „Ich werde meine Politik nicht um ein Jota ändern.“

          Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) übte scharfe Kritik. „Der pauschalen Verurteilung des Islams und der Muslime muss entschieden widersprochen werden“, erklärte ZdK-Präsident Thomas Sternberg am Freitag. Er warnte, in den gegenwärtigen Debatten würden zunehmend gewalttätige Extremisten mit den in Deutschland friedlich lebenden Muslimen und Flüchtlingen gleichgesetzt. „Dies ist ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen“, erklärte Sternberg.

          Weitere Themen

          Abgründe im Idyll

          Missbrauchsfall Lüdge : Abgründe im Idyll

          Am Landgericht Detmold beginnt am Donnerstag der Strafprozess gegen die drei mutmaßlichen Täter im Fall Lügde. Die Hintergründe offenbaren nicht nur monströse Verbrechen – sondern auch besonders krasses Behördenversagen.

          Merkel stellt sich den Fragen der Abgeordneten Video-Seite öffnen

          Fragestunde im Bundestag : Merkel stellt sich den Fragen der Abgeordneten

          Bei ihrem letzten großen Auftritt vor der Sommerpause hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag den Fragen der Abgeordneten gestellt. Dabei stellt sie klar, dass eine globalisierte Weltordnung eine Wahrnehmung der Interessen anderer Staaten erfordere.

          Topmeldungen

          69 Prozent der Deutschen sind stolz auf ihr Zuhause.

          Überraschende Glücks-Studie : Die Deutschen lieben ihre Häuser

          Die Deutschen hegen und pflegen gerne Haus und Hof – und sind auch sehr zufrieden damit. Nur eine andere Nation empfindet beim Anblick des eigenen Zuhause mehr Stolz als sie. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.
          Der Planet glüht – und er glüht im großen Stil. Die farbcodierten Streifen zeigen die Erderwärmung bis heute, angefangen im Jahr 1850.

          Klimawandel in einer Grafik : Maßlos überhitzt!

          Der Plot, der die Weltklimakrise besser begreifen lässt als jede Zahl: Unter #Showyourstripes“ hat ein Klimaforscher Daten aus aller Welt gesammelt und die Erwärmung in Streifenmustern visualisiert. Eine Ikonographie des Unheils.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.