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Armin Laschet : Vom Lockerer zum Lockdowner

"Wir führen wieder eine Kontaktbeschränkung wie im März ein", sagte Ministerpräsident Armin Laschet mit Blick auf den Kreis Gütersloh. Bild: dpa

Der NRW-Ministerpräsident wollte früh raus aus den Zwangsmaßnahmen. Doch beim Lockern haben ihn mehrere Länderchefs ganz locker überholt. Nun verhängt Laschet wegen Corona für zwei Kreise wieder einen „Lockdown“.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Armin Laschet (CDU) hatte sich so früh wie kein anderer Ministerpräsident für Lockerungen der Corona-Beschränkungen ausgesprochen. Auch in der Union, allen voran in der CSU von Markus Söder, hielten viele seinen Kurs für riskant, weil beim Umgang mit dem Virus unverändert Vorsicht geboten sei. Die Kritik an Laschet flaute zwischenzeitlich ab. Das hatte mit dem starken Rückgang der Neuinfektionen zu tun, aber auch damit, dass mehrere Länderchefs unterschiedlicher Couleur wie jene aus Sachsen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten beim Lockern ganz locker überholten.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Nun kann Laschet endgültig nicht mehr als größter Lockerer der Nation gelten. Als erster Ministerpräsident musste er am Dienstag einen großflächigen Lockdown für einen Landkreis verkünden. Betroffen ist der Kreis Gütersloh, wo es im Zerlegebetrieb der Großschlachterei Tönnies zu einem Corona-Massenausbruch mit mittlerweile mehr als 1500 Infizierten gekommen ist. Laschet ist damit auch der erste Ministerpräsident, der umsetzt, worauf sich Bund und Länder bei ihrem zurückliegenden Lockerungs-Gipfel geeinigt hatten: In Landkreisen, in denen in den jeweils vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner mehr als 50 Neuinfektionen registriert wurden, sollen wieder schärfere Beschränkungen gelten.

          Es ist ein Alleinstellungsmerkmal, das Laschet am Vormittag in der Staatskanzlei in Düsseldorf erstaunlich offensiv thematisierte. Anders als in Fällen anderer lokaler oder regionaler Infektionshäufungen etwa in Thüringen oder Niedersachsen werde nun erstmals in Deutschland ein gesamter Landkreis wegen des Corona-Infektionsgeschehens „wieder auf die strengen Schutzmaßnahmen zurückgeführt, die noch vor wenigen Wochen in der ganzen Bundesrepublik galten“, sagte der Ministerpräsident.

          Dieser „Urzustand“ solle zunächst eine Woche lang gelten. Dann hoffe man, ein klareres Bild zu haben. Laschet zählte sodann auf, was alles bis Ende Juni für die 370.000 Einwohner des Kreises Gütersloh gilt beziehungsweise nicht mehr möglich ist: Im gesamten Landkreis ist nun wieder das Corona-Kontaktverbot in Kraft, im öffentlichen Raum darf man sich also nur mit Personen des eigenen Hausstands oder einer weiteren fremden Person treffen; Konzerte, der Kinobetrieb, Kunstausstellungen dürfen nicht mehr stattfinden; geschlossen werden unter anderem Bars, Hallenbäder, Saunen Fitnessstudios und Wellnesseinrichtungen.

          Schon vergangene Woche hatte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) die Schließung aller Schulen und Kitas im Kreis verfügt. Auch der Schlachtbetrieb bei Tönnies ruht – und sämtliche 7000 Fleischarbeiter, die im Werk in Rheda-Wiedenbrück beschäftigt sind sowie ihre Angehörigen stehen unter Quarantäne. Am Dienstagnachmittag wurde dann bekannt, dass auch für den Nachbarkreis Warendorf ein Lockdown verhängt wird. Genau wie im Kreis Gütersloh gebe es Kontaktbeschränkungen, Sport in geschlossenen Räumen und zahlreiche Kulturveranstaltungen würden verboten, sagte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

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