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Armin Laschet bei Brigitte : Reden wir über Frauen

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet will bei einem Wahlsieg sein Kabinett paritätisch besetzen. Bild: EPA

Armin Laschet spricht im Brigitte-Talk über Gleichberechtigung und Gendersprache. Hans-Georg Maaßen widerspricht er – lehnt aber einen Parteiausschluss ab.

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          Armin Laschet durfte sich am Mittwochabend aussuchen, ob er im Brigitte-Talk lieber über Männer oder Frauen reden möchte. Erst zögerte er. „Über beide“, sagte der CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat der Union, entschied sich aber dann doch für die Frauen. Das Publikum, so kann man vermuten, war wohl auch überwiegend weiblich. Doch was er sagte und wie er es sagte, klang nicht so, als sei es nur auf seine Zuhörerinnen zugeschnitten. „Wir haben immer noch keine richtige Gleichstellung von Männern und Frauen“, beklagte Laschet, der auch nordrhein-westfälischer Ministerpräsident ist.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Der Gender Pay Gap, also die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern, sei das eine. Es gebe zudem zu wenige Frauen in der Politik, „insbesondere in meiner eigenen Partei“. „Zu wenig“ war auch sein Kommentar zu dem Vorhalt, dass in seinem Kabinett in Nordrhein-Westfalen nur vier Ministerinnen, aber acht Minister sitzen. Er suchte nach Begründungen, eine richtig überzeugende fiel ihm nicht ein. Für das Bundeskabinett, sofern die Union die nächste Regierung anführt, hat er schon Parität angekündigt. „Der Blick ist immer ein anderer, wenn Männer und Frauen miteinander diskutieren als wenn es nur Männer sind“, sagte Laschet.

          Wenn nach 16 Jahren Regierung von Angela Merkel nun ein Mann ins Kanzleramt einziehe, sei es „umso wichtiger“, hier weiterzukommen. Doch die umstrittene Frage lautet: Wie? Oder in Laschets Worten: „Was kann die Politik daran ändern?“ Laschet erwähnte, dass es Quoten für Aufsichtsräte ja bereits gebe und brachte damit zum Ausdruck, dass Herstellung von Gleichberechtigung für ihn auch staatliche Ausgabe sei. Doch sympathischer ist ihm – wie vielen Parteifreunden – ein anderer Weg: „Mein Ziel wäre, in der Gesellschaft dazu beizutragen, dass mehr an die Geschlechtergerechtigkeit gedacht wird.“ Wie das gehen soll, führte er nicht näher aus. Aber klar sei für ihn: „Gleichstellung ist keine Frage, um die sich Frauen kümmern müssen“, das sei auch die Aufgabe von Männern. Laschet selbst war zwischen 2005 und 2010 Minister für Familie und Frauen in Nordrhein-Westfalen. Damals sei die Stellung der Frau, die Frage von Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch „absolutes Neuland“ gewesen.

          Kein Gender-Verbot

          Auch beim Thema Gendern bemühte sich Laschet um einen Mittelweg. Das Thema polarisiert. In vielen Fakultäten und in Teilen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört die Pause vor der weiblichen Form, das sogenannte gesprochene Gendersternchen, mittlerweile zum Standard. Laschets einstiger Rivale im Kampf um den Parteivorsitz, Friedrich Merz, den Laschet in sein Wahlkampfteam geholt hat, sieht darin einen Zwang, den er ablehnt – und wähnt dabei eine Mehrheit der Deutschen hinter sich. Laschet sagte im Brigitte-Fernsehen: „Ich finde, dass wir da nichts verbieten sollen“, man solle sich auch nicht über Menschen lustig machen, die gendergerechte Sprache benutzen. Nur sei es eben nicht sein eigener Sprachstil. Doch Sensibilität in der Sprache sei ihm schon wichtig, „das geht auch ohne Sternchen und Pause“, man könne etwa von Ärztinnen und Ärzten sprechen, also beide Geschlechter benennen.

          Dass Annalena Baerbock sich nach ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin als erstes fragen lassen musste, wie sie das Kanzleramt mit ihren zwei Kindern unter einen Hut bringen wolle, fand Laschet „unangemessen“, wie er sagte. Ihm, Vater von drei Kindern, sei eine solche Frage nie gestellt worden – höchstens ob er gerne mehr Zeit für seine Kinder hätte. Zu Baerbock, die nun wegen eines aufgehübschten Lebenslaufs und Plagiaten in ihrem Buch scharfen Gegenwind bekommt, wollte er weiter nichts sagen, nur dies: „Ich würde mir wünschen, dass wir langsam zur politischen Debatte kommen.“ Allgemein sprach er aber von Frauenfeindlichkeit, die sich insbesondere in den sozialen Netzwerken Bahn breche. Frauen seien von sexistischen Beleidigungen deutlich häufiger betroffen, so Laschet.

          Nicht jede Bemerkung durch eine Kommentierung aufwerten

          Es ging noch ums Impfen von Kindern, Wechselunterreicht in Schulen, den Streit über Steuererhöhungen, die sozialen Folgen des Kohleausstiegs – hier kam wenig Überraschendes. Unangenehm wurde es für Laschet, als die Moderatorinnen auf Hans-Georg Maaßen zu sprechen kamen, ehemaliger Verfassungsschutzpräsident und nun CDU-Direktkandidat im Süden Thüringens. Erst kürzlich hatte er wieder provoziert, indem er dem öffentlichen-rechtlichen Rundfunk Verbindungen zur linksextremen Szene vorwarf und forderte, die Biographien einiger Redakteure „auf den Prüfstand“ zu stellen. Laschet machte deutlich, dass er nicht an einen Parteiausschluss denke, die Schwellen seien hoch. Was Laschet nicht sagte, ist, dass sich Parteien damit vor allem Ärger einhandeln – siehe Thilo Sarrazin und die SPD. „Ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist wichtig“, sagte Laschet, das sei die Meinung der gesamten CDU, gerade in Zeiten von Fake News. Daran müsse sich auch jeder der 299 Direktkandidaten halten, so Laschet. Doch will er Verstöße ahnden? Wenn jemand Interviews gebe, die von der Position der CDU abweichen, „ist das sein Problem“, sagte Laschet, er wolle nicht jede Bemerkung durch eine Kommentierung aufwerten. Auffällig war, dass er den Namen Maaßen nicht einmal erwähnte.

          Einige persönliche Einblicke gewährte Laschet den Zuschauern noch. Er möge Serien, zuletzt habe ihn eine Serie über einen Bürgermeister von Marseille gepackt. „Ich sitze da bis 3 oder 4 Uhr morgens und schaue diese Serien an“, seine Frau ermahne ihn dann zuweilen auszuschalten. „Ich brauche wenig Schlaf, das ist ein Vorteil“, sagte Laschet. Seine mutigste Entscheidung? Die Kanzlerkandidatur, „ja, dafür braucht es schon Mut“. Wenn man ein Portrait über ihn machte, was wäre dann der passende Titel, wollten die Moderatorinnen wissen. Eine Steilvorlage, die Laschet zu nutzen wusste: „Der Richtige“.

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