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Buch des CDU-Kanzlerkandidaten : Neue Plagiatsvorwürfe gegen Laschet

Halbe Seite vom früheren CSU-Kultus- und Wissenschaftsminister Hans Maier übernommen? Neue Vorwürfe gegen Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet Bild: EPA

Der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber zieht seine entlastende Stellungnahme zum Buch des Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet zurück. Weber kündigte an, das Buch genauso detailliert zu prüfen wie jenes der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.

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          Nach seiner entlastenden Stellungnahme für Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber sich selbst korrigiert. Er hält es nun für durchaus möglich, in Laschets 2009 veröffentlichtem Buch mit dem Titel „Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance“ weitere Plagiate zu finden.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Umgestimmt hatte Weber die Nachricht eines Lesers seines Blogs, der ihn auf ein weiteres nicht belegtes Zitat aufmerksam gemacht hatte. Es soll sich dabei um fast eine halbe Buchseite handeln, die Laschet vom Münchner Politologen und früheren CSU-Kultus- und Wissenschaftsminister Hans Maier übernommen haben soll. Den Ursprung des Textes datierte der Leser auf eine Rede, die Maier im Jahr 2008 beim „Tag der Religionen“ in Stuttgart gehalten hatte.

          Mutmaßliches Opfer äußert sich zurückhaltend

          In einer Mail hat Maier gegenüber Weber angegeben, dass sich die älteste Drucklegung des Textes in der katholischen Zeitschrift Communio (35, 2006) findet. „In der Tat ergeben sich Übereinstimmungen mit dem Text von Armin Laschet. Es handelt sich jedoch bei den von ihm angeführten Beispielen um allgemein zugängliche Fakten“, schrieb Maier an Weber.

          Der F.A.Z. sagte Maier, er habe von Weber die beiden Texte zugemailt bekommen und erst einmal klar gemacht, dass sein Text der ältere sei, Weber sei sich nämlich unsicher gewesen, wer hier von wem abgeschrieben habe, wobei er es wohl doch für unwahrscheinlicher hielt, dass Maier von Laschet abgeschrieben haben könnte. Er kenne das Buch von Laschet gar nicht, sagte Maier, und jedenfalls habe man schnell klären können, dass der nordrhein-westfälische Ministerpräsident bei ihm abgeschrieben habe, oder eben womöglich ein Ghostwriter oder Zuarbeiter, manchmal seien publizierende Politiker ja „betrogene Betrüger“.

          Maier hob hervor, er wolle gewiss nicht in den Verdacht geraten, dass er Abschreiben oder Plagiieren toleriere, „gar nicht“. Er selbst sei schon vor Jahrzehnten Opfer eines Plagiators geworden; ein Kollege habe ganze Seiten aus seiner Doktorarbeit abgeschrieben. Aber man müsse doch jeden Fall einzeln beurteilen. Jedenfalls wolle er auch nicht in den Ruf kommen, dass er Laschet, der ohnehin schon in Schwierigkeiten sei, weitere davon bereite. Im Übrigen, so Maier, halte er die „Verfolger vom Dienst“ für „keine sehr sympathische Spezies“.

          Prüfer müssen manuell „durchgooglen“

          Weber bedauerte inzwischen „den vorschnellen Gang in die Öffentlichkeit vor Durchführung einer ,Tiefenbohrung‘, die nunmehr stattfindet“. Mit der Plagiatssoftware Turnitin, die zu den zuverlässigsten am Markt gehört, habe er kein Plagiatsmuster erkennen können. Die Stelle sei zwar markiert worden, aber auf das Jahr 2011 datiert worden, Da Laschets Buch schon 2009 erschienen war, schenkte Weber dem Verweis auf das Jahr 2011 keine Aufmerksamkeit.

          Gegenüber der F.A.Z. bestätigte Weber, dass er das Buch nun genauso detailliert prüfen werde wie das der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Er habe bisher 91 Seiten bearbeitet und es gebe vier weitere Verdachtsstellen. Laschets Buch umfasst 300 Seiten. Weber entschuldigte sich zudem öffentlich beim Plagiatssucher Martin Heidingsfelder, weil nicht der, sondern der von ihm kontaktierte Autor Karsten Weizenegger das Plagiat veröffentlicht hatte. Weber wies außerdem auf das methodische Problem hin, dass Plagiatsprüfer auch im Jahre 2021 einen Text manuell „durchgoogeln“ müssen, weil Google keine finanzierbare Schnittstelle bereitstelle.

          Nach dem weiteren Fund sagt Weber, „womöglich verhält sich doch Laschet zu Baerbock wie Schavan zu Guttenberg“. Ein einziges, einige Zeilen langes Plagiat könne noch als redaktionelles Versehen eines Zulieferers durchgehen, der dann aus Webers Sicht aber auch genannt werden müsste. Auf dem Buchrücken von Laschets Buch findet sich aber nur ein Name.

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