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Argumente gegen Kinder : Ruhe, ihr Jammer-Frauen!

Auch das Geheule über Männer- und Frauenrollen geht an der Wirklichkeit vorbei. Die zögernden Nicht-Mütter verstecken sich dabei hinter der abstrakten Aussage, es sei nun einmal so, dass „Männer“ weniger im Haushalt und mit den Kindern machten. Das gelte selbst bei Fifty-fifty-Verteilung der Wochenstunden im Job. Alles bleibe an den armen Frauen hängen. Aber hier geht es doch nicht um einen abstrakten Plural, nicht um zwei große, feindliche Gruppen, sondern um eine sehr kleine Gruppe von zwei Personen. Warum ein Paar nicht darüber reden kann, wer am nächsten Morgen früh aufsteht und wer im Lauf der Woche noch das Bad putzt, darauf geben die Jammer-Frauen keine Antwort.

Auch Männer können Teilzeit arbeiten

Auch bei der Frage, wer wie viel arbeiten geht, gilt: Wenn ein Paar nicht rechtzeitig bespricht, welche Aufgaben jeder Partner in einem Leben mit Kindern übernehmen will, führt es keine Beziehung. So einfach ist das. Und so einfach geht es weiter. Es hat nichts mit Gewinnen oder Verlieren zu tun, wenn einer zeitweise mehr arbeitet und der andere mehr mit den Kindern macht. Wer in einer Familie lebt, weiß das.

Aber auch das Lamento, arbeitsteilige Fifty-fifty-Modelle seien nur in den allerglücklichsten Ausnahmefällen möglich, ist schlichtweg falsch. Keineswegs haben alle Männer Arbeitgeber, die ihnen kein bisschen Teilzeit gestatten würden. Das Recht auf Teilzeit gilt für Männer genauso wie für Frauen. Man muss nur davon Gebrauch machen. Mit den meisten Arbeitgebern kann man reden. Man muss es nur tun.

Aber die Arbeitgeber gehören im Kosmos der Jammerlappen zur bösen Welt draußen. Genau wie die dummen Politiker, die es einfach nicht hinbekommen, Zauderer zur Zeugung zu animieren. Dabei schafft die Politik heute Möglichkeiten für junge Eltern, die früher undenkbar waren. Angefangen beim Elterngeld: Da gibt es zwölf bis vierzehn Monate lang 65 Prozent vom Netto, ohne dass man währenddessen einen Handschlag dafür tun muss. Das bedeutet mindestens ein Jahr staatlich gesponsertes Zusammensein mit dem eigenen Kind.

Und wo geht die Liebe hin?

Das Wörterbuch der Jammervokabeln enthält noch mehr. Weiter geht es mit der romantischen Liebe. Die ist angeblich plötzlich weg, sobald sich ein Paar in eine Familie verwandelt. Woher die Autorinnen das wissen, bleibt unklar. Auf jeden Fall ist das eine lustige Vorstellung von Romantik: dass die sich einfach auflösen kann, als wäre sie bloß ein Nebel gewesen. Und dass sie sich ausgerechnet von einem klitzekleinen Baby vertreiben lassen soll, ist absurd.

Wenngleich nicht so absurd wie das offenbar schwerwiegende Problem mit dem Aussehen junger Eltern. Natürlich kann man mit zwei kleinen Kindern am Wochenende nicht mehr ausschlafen. Aber warum zum Teufel sehen Eltern mit wenig Schlaf schlimmer aus als in Clubs versackte Singles, die es so früh am Morgen nicht einmal schaffen, sich selbst aus dem Bett zu hieven? Von der Zubereitung von Honigmilch, Kakao und Marmeladenbroten ganz zu schweigen.

Die Jammer-Frauen haben Angst davor, etwas an ihrem scheinbar austarierten Leben zu ändern. Ihr Trott ist ihnen heilig. Denn ihnen fehlt die Zuversicht, dass schon alles gut wird. Herrje, Sorgen darüber, wie euer Leben weitergeht, könnt ihr euch mit 85 machen, aber doch nicht mit Anfang 30, in einem Land mit diesem Sozialsystem und einer schwindenden Zahl von Arbeitnehmern. Wie wäre es, ihr lebtet einfach ein paar Jahrzehnte so sorgenfrei wie möglich vor euch hin? Und noch etwas: Wenn ihr – und so ehrlich seid ihr immerhin – euch selbst für Effizienz-fixierte Perfektionisten haltet, dann spricht alles für Kinder, am besten für drei bis fünf. Die werden es euch abgewöhnen.

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