https://www.faz.net/-gpf-9iil7

Apotheker gegen Versandhandel : Mit Risiken und Nebenwirkungen

Kein Computer, sondern ein persönliches Gespräch: Friedemann Schmidt bedient eine Kundin in seiner Leipziger Apotheke. Bild: Andreas Pein

Den Apotheken geht es nicht mehr so gut wie früher. Die Konkurrenz durch ausländische Versandapotheken verunsichert den Berufsstand zunehmend. Kann und will der Gesundheitsminister helfen?

          10 Min.

          Die Apotheke von Friedemann Schmidt liegt ganz im Süden von Leipzig, und auf dem Weg bekommt man einen Eindruck davon, wie groß die Konkurrenz ist. Erst zieht die Galenus-Apotheke am Autofenster vorbei, dann die Apotheke an der Elster, dann Beethoven-, Regenbogen-, Körner- und Brücken-Apotheke. Und dann, am Ende der Straße, kommt die Seume-Apotheke, benannt nach dem Dichter Johann Gottfried Seume. Es gibt sie seit den dreißiger Jahren, und sie heißt schon immer so. Friedemann Schmidt hat sie gleich nach der Wende übernommen, mit seiner Frau Ute. Die Regale rund um den Verkaufstresen gehören noch zur Erstausstattung, viel dunkles Holz, eine Apotheke aus dem Bilderbuch. Schmidt hätte die Regale austauschen können, Flachbildschirme einbauen und anderes modernes Zeug, aber das hat er nicht. Sollen die anderen doch mit der Zeit gehen. Sollen sie auf einen Knopf drücken und dann spuckt ein Automat eine Packung Medikamente in einen Korb. Schmidt dreht sich lieber um, geht ins Nebenzimmer und zieht eine dieser endlos langen Schubladen aus der Wand.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Ein Samstag im Dezember, eine Kundin mittleren Alters tritt ein. Schmidt begutachtet das Rezept. Eine Sekunde bitte, sagt er, verschwindet im Nebenraum. Kurz darauf ist er mit einer kleinen Packung zurück, Amitriptylin, 75 Milligramm. Das Mittel lindert Depressionen und hellt die Stimmung auf, verschrieben hat es eine Psychiaterin aus der Nähe. Die Packung mit 100 Tabletten kostet 29,81 Euro, der Preis ist in jeder deutschen Apotheke gleich. Für das meiste kommt die gesetzliche Krankenkasse auf, fünf Euro muss die Frau selbst zahlen, so will es das Gesetz. Geht das auch mit Karte?, fragt sie. Natürlich, sagt Schmidt. Wenn es sein muss, geht auch er mit der Zeit.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Präsident Erdogan erklärt sich gegenüber Journalisten.

          Nahe Izmir : Krieg in Syrien gefährdet VW-Werk in der Türkei

          Eigentlich war die Sache in trockenen Tüchern, nahe Izmir wollte VW sein erstes türkisches Pkw-Werk errichten. Doch weil Erdogans Truppen in Nordsyrien einmarschiert sind und dort die Kurden bekämpfen, wachsen die Zweifel an der Standortentscheidung.

          Ausstellung zur Armbrust : Die Hightech-Waffe des Mittelalters

          Mit der Ausstellung „Die Armbrust – Schrecken und Schönheit“ rückt das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin eine Waffe ins Rampenlicht, die seit fast 500 Jahren mehr Kunstobjekt denn Seelenräuber ist.