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F.A.S. exklusiv : Anzahl der  Schwimmbäder nimmt drastisch ab

  • Aktualisiert am

Ein Schwimmer springt in Düsseldorf vom Sprungturm ins Wasser. Bild: dpa

Seit dem Jahr 2000 wurde in Deutschland jedes zehnte Bad geschlossen, jedes zweite muss saniert werden. Der Handlungsbedarf ist offensichtlich: 59 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer.

          Nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) ist in Deutschland seit dem Jahr 2000 jedes zehnte Schwimmbad geschlossen worden. Damals gab es laut der Sportstättenstatistik der Sportministerkonferenz 6716 Schwimmbäder. Heute sind es nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen noch knapp 6000. In ihrem Bäderatlas listet die Gesellschaft 2275 Hallen- und 2700 Freibäder auf. Hinzu kommen laut einem Sprecher etwa 1000 Schulschwimmbäder.
           
          Die Gesellschaft hat im vergangenen Jahr mit anderen Verbänden eine „Bäderallianz“ gegründet. Um Deutschlands Schwimmbäder zu erhalten, wirbt sie für einen „Masterplan“, der von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden soll. Vorbild ist der „Goldene Plan“ der Deutschen Olympischen Gesellschaft von 1959, mit dem in den sechziger Jahren Tausende Sportstätten in Deutschland geschaffen wurden.

          Laut Zahlen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind 59 Prozent der zehnjährigen Kinder in Deutschland keine sichereren Schwimmer. Dies hatte eine repräsentative Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017 ergeben. Als sicherer Schwimmer wird bezeichnet, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze (Freischwimmer) erfüllt.

          Nach Angaben der DLRG besitzen im Schnitt nur 40 Prozent der Grundschüler, also der Sechs- bis Zehnjährigen, ein Jugendschwimmabzeichen. Mittlerweile hätten rund 25 Prozent der Grundschulen keinen Zugang zu einem Schwimmbad. Während unter den von Forsa befragten 45- bis 59-Jährigen noch 52 Prozent das Schwimmen in der Grundschule gelernt haben, sind es bei den 14- bis 29-jährigen Befragten nur noch 36 Prozent.

          Wer ist zuständig?

          Die Bundesregierung sieht den Erhalt der Bäder aber als Aufgabe der Länder sowie der Städte und Gemeinden. Die Länder seien „aufgerufen, die Kommunen bei der Erhaltung der sozialen Infrastruktur zu unterstützen und tun dies auch mit eigenen Programmen“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium Marco Wanderwitz (CDU) der F.A.S.

          Wanderwitz wies zudem auf Förderangebote hin, mit denen der Bund die Kommunen bereits unterstütze, darunter das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Dafür sind im Bundeshaushalt 2018 100 Millionen Euro vorgesehen, davon 30 Millionen für die Sanierung von Schwimmhallen und Freibädern.

          Zusätzliches Sanierungsprogramm gefordert

          Sportpolitiker der Regierungsparteien halten das nicht für ausreichend. Bundesfinanzminister Olaf Scholz solle „ein zusätzliches Sanierungsprogramm auflegen, das eine anteilige Förderung gewährleistet“, forderte etwa der sportpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag Eberhard Gienger gegenüber der F.A.S.

          Der sportpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Detlev Pilger sagte der Zeitung, seine Partei werde sich „in den kommenden Haushaltsverhandlungen gegen den Widerstand des Koalitionspartners für ein langjähriges Programm einsetzen, welches nicht nur einzelne Projekte mit wenigen Mitteln unterstützt, sondern welches flächendeckend in ganz Deutschland greift“.
           
          Auch der Erste Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes Roland Schäfer von der SPD hält eine stärkere Beteiligung des Bundes an der Finanzierung für sinnvoll. „Der Bund erwartet ja auch, dass Kinder richtig schwimmen lernen und die Menschen Sport treiben.“ Wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung sei momentan genug Geld auf Bundesebene vorhanden. Bevor über Steuersenkungen gesprochen werde, solle lieber in kommunale Infrastruktur investiert werden. „Dazu gehören auch Schwimmbäder.“ Solche Investitionen seien nachhaltig und würden Deutschland als Standort attraktiver machen.

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