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Antisemitismus-Bericht 2020 : Mehr als tausend antisemitische Vorfälle in Berlin

  • Aktualisiert am

Blumen und Kerzen vor dem Eingangsbereich der Hamburger Synagoge, vor der am 4. Oktober ein jüdischer Student mit einem Spaten attackiert wurde. Bild: dpa

In Berlin hat es im vergangenen Jahr rund tausend antisemitische Vorfälle gegeben. Fast jeder fünfte hing mit der Pandemie zusammen. Vor allem auf Demonstrationen wurden antisemitische Inhalte propagiert.

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          In Berlin hat es im vergangenen Jahr etwa tausend antisemitische Vorfälle gegeben. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) erfasste in ihrem am Montag veröffentlichten Bericht rund 13 Prozent mehr Antisemitismusvorfälle als noch im Vorjahr 2019. Statistisch gesehen ereigneten sich in der Hauptstadt somit knapp drei antisemitische Vorfälle am Tag. Rias zählte unter anderem 17 Angriffe, 43 Sachbeschädigungen, 51 Bedrohungen und knapp 800 Fälle verletzenden Verhaltens.

          Laut dem Bericht der Organisation stand fast jeder fünfte bekannt gewordene antisemitische Zwischenfall im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Die Auseinandersetzung mit staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie stelle eine „vielschichtige Gelegenheitsstruktur für die Artikulation antisemitischer Verschwörungsmythen dar“, schrieb Rias in dem Bericht.

          Antisemitische Inhalte auf Demonstrationen

          Insbesondere auf Demonstrationen wurden antisemitische Inhalte propagiert. Auf insgesamt 58 Versammlungen wurden antisemitische Inhalte dokumentiert – ein Höchststand seit Beginn der Projektarbeit im Jahr 2019.

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          Während die Gesamtzahl antisemitischer Vorfälle um rund 13 Prozent anstieg, sank die Zahl antisemitischer Gewaltvorfälle um rund ein Sechstel. Antisemitische Gewalt spiele sich immer öfter im privaten Wohnumfeld der Betroffenen ab, erklärte Rias. In 47 Fällen seien Menschen Opfer antisemitischer Gewalt im persönlichen Wohnumfeld geworden, so viele wie in keinem anderen Jahr seit 2015.

          Berliner Politiker äußerten sich besorgt über die steigende Zahl antisemitischer Vorfälle in der Hauptstadt. „Es ist erschreckend, dass antisemitische Vorfälle in Berlin trotz der pandemiebedingt geringeren Mobilität zugenommen haben“, erklärte die SPD-Vizefraktionschefin im Abgeordnetenhaus, Susanne Kitschun. Dies gefährde Juden in Berlin „sowie unsere Demokratie insgesamt“.

          Impfverweigerer und Querdenker

          Es sei alarmierend, „wie sehr antisemitische Stereotype und Verschwörungsmythen oder auch Schoah-Verharmlosungen im Umfeld von Impfverweigerern und Querdenkern verankert sind“, erklärte die Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses, Cornelia Seibeld (CDU).

          Antisemitismus sei eine konstante Bedrohung für die gesamte Gesellschaft, warnte die Sprecherin für Strategien gegen den Rechtsextremismus der Berliner Grünen-Fraktion, June Tomiak. Die Pandemie habe Antisemitismus in neuen Dimensionen befeuert und häufig anschlussfähig gemacht. „Wir müssen entschlossen und nachhaltig gegen jeden Antisemitismus kämpfen“, erklärte Tomiak.

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