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Antisemitismus : Mitglied des Zentralrats der Juden bedroht

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Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden, im August an einer Schule im mecklenburgischen Lübtheen Bild: dpa

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, ist offenbar in Berlin auf offener Straße bedroht worden. Die Polizei ermittelt. Von dem „Anschein, dass es ein Akt von Fremdenfeindlichkeit war“, spricht Zentralrats-Präsident Dieter Graumann.

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          Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, ist am Mittwoch nach dem Besuch einer Synagoge in Berlin bedroht worden. Kramer war mit seinen beiden Kindern unterwegs und trug nach eigenen Angaben sichtbar ein jüdisches Gebetbuch bei sich. Die Polizei ermittle wegen „wechselseitiger Bedrohung“, sagte ein Polizeisprecher, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

          Erst Ende August war ein Rabbiner in Berlin angegriffen worden. „Es hat den Anschein, dass es ein Akt von Fremdenfeindlichkeit war“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann. Er verurteilte die Tat und kritisierte, dass die Ermittler im Fall des Rabbiners die Täter bisher noch nicht gefasst haben.

          Die Polizei äußerte sich nicht dazu, ob der Angriff auf Kramer einen antisemitischen Hintergrund hatte. Kramer wies den Vorwurf zurück, nach der verbalen Attacke eine Waffe gezückt und den Täter bedroht zu haben. Er sagte: „Ich habe die Waffe nicht mal angefasst.“ Er trage seit mindestens acht Jahren legal eine Pistole zum eigenen Schutz, aber auch in seiner Funktion als Sicherheitsbeauftragter des Zentralrates der Juden. Als der Täter ihn anpöbelte, habe er diesem die Waffe, die unter seiner Jacke steckte, gezeigt. Damit habe er verhindern wollen, dass die Situation eskaliere, sagte Kramer.

          Der Mann habe ihn angesprochen und aufgefordert, dahin zurückzugehen, wo er herkomme. „Während des Vorfalls ist es zu lautstarken Auseinandersetzungen und der Androhung von körperlicher Gewalt durch den Täter gekommen“, sagte Kramer. Passanten und er hätten die Polizei gerufen. Am Mittwoch feierte die jüdische Gemeinde ihren höchsten Feiertag, den Jom Kippur, einen Tag der Reue, Buße und Umkehr.

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