https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/antisemitismus-in-deutschland-ergebnis-linker-willkommenskultur-19254583.html
Jasper von Altenbockum (kum.)

Judenfeindlichkeit : Importierter Antisemitismus

Ausschreitungen am 19. Oktober während einer pro-palästinensischen Demonstration in Berlin-Neukölln. Bild: dpa

Gibt es eine Leitkultur der Erinnerung? Es ist deutsche Selbstüberschätzung zu glauben, dass Einwanderer nicht mehr antisemitisch denken und handeln, weil die deutsche Geschichtspolitik läuternd wirken würde.

          3 Min.

          Ist es tatsächlich eine „neue Dimension“ der Judenfeindlichkeit, die Deutschland erlebt, wie die Grünen-Politikerin Lamya Kaddor sagt? Oder ist es nicht vielmehr eine Dimension, die seit Langem bekannt ist, die aber den deutschen Staat und seine Gesellschaft so sehr in Verlegenheit bringt, dass sie immer wieder als neu bezeichnet wird? Denn sonst müsste man sich eingestehen, dass bei aller Empörung und bei allem Entsetzen über antisemitische Ausschreitungen wie jetzt nach dem Brandanschlag auf eine jüdische Syn­agoge in Berlin alles beim Alten bleibt. Wird sich jetzt etwas ändern?

          Es ist kein gutes Zeichen, dass Islamverbände erst tagelang dazu aufgerufen werden müssen, zum Hamas-Massaker in Israel eindeutig Stellung zu beziehen. Was dabei herausgekommen ist, spricht für sich selbst. Milli Görus rechtfertigte sich damit, dass der Verband den Terror in Israel „zunächst nicht richtig einordnen“ konnte. Die türkische Ditib beschwert sich gar, dass sie „erst zu einer richtigen Positionierung ermahnt werden“ musste. Der Zentralrat der Muslime verurteilte die „Instrumentalisierung“ des palästinensischen Befreiungskampfs durch Terroristen, lenkte den Blick aber sogleich auf die „zutiefst verstörende“ Politik Israels.

          Zugang zu allen F+ Artikeln 2,95 € / Woche
          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen
          2,95 € / Woche
          Jetzt kostenfrei Zugang abonnieren?
          Mit einem Klick online kündbar
          Weiter Ja, 30 Tage kostenfrei testen
          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+