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Berlin : Antisemitisches Mobbing an internationaler Schule

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An der John-F.-Kennedy-Schule ist laut einem Zeitungsbericht ein jüdischer Schüler antisemitisch beleidigt und gemobbt worden. „Ausmaß und Ernsthaftigkeit“ des Vorfalls sollen zunächst unterschätzt worden sein.

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          Wieder ist es einem Zeitungsbericht zufolge an einer Berliner Schule zu einem antisemitischen Vorfall gekommen. Über Monate hinweg soll ein jüdischer Schüler einer 9. Klasse antisemitisch beleidigt und gemobbt worden sein, berichtet die „Berliner Zeitung“ am Mittwoch. Der Vorfall habe sich an der als weltoffen geltenden, internationalen, bilingualen John-F.-Kennedy-Schule in Berlin-Zehlendorf ereignet. „Ausmaß und Ernsthaftigkeit“ seien zunächst unterschätzt worden, habe die Schule in einer Mitteilung erklärt. Der Zentralrat der Juden mahnte, solche Fälle ernst zu nehmen, weil Antisemitismus ein gesamtgesellschaftliches Problem sei.

          Der Zeitung zufolge sollen mehrere Mitschüler den jüdischen Neuntklässler immer wieder drangsaliert haben. Ein Mitschüler soll ihm Zigarettenrauch ins Gesicht geblasen und dabei dem jüdischen Schüler drohend gesagt haben, er solle an seine vergasten Vorfahren denken, heißt es in dem Bericht. Bei anderer Gelegenheit sollen ihn Mitschüler mit Zetteln tyrannisiert haben, auf denen Hakenkreuze aufgemalt waren.

          Viele haben das Mobbing hingenommen

          Konflikte habe es offenbar auch mit einer jüdischen Mitschülerin gegeben. Weil der Neuntklässler im Nahostkonflikt nicht nur die palästinensische Seite kritisierte, soll ihm die Mitschülerin vorgeworfen haben, kein guter Jude zu sein. Die Schulleitung habe sich irritiert gezeigt, dass ein Großteil der Klasse das Mobbing toleriert oder hingenommen hatte, berichtet die Zeitung weiter.

          Die bilinguale John-F.-Kennedy-Schule wird dem Bericht zufolge unter anderen von vielen Diplomatenkindern besucht, vor allem von Angehörigen der amerikanischen Botschaft. Sie hat je einen amerikanischen und einen deutschen Direktor für die Grund- und die Oberschule.

          Im vorliegenden Fall hatten sich laut Zeitung die Eltern an die Antidiskriminierungsbeauftragte der Bildungsverwaltung gewandt. „Sofort nach Kenntnisnahme des Vorfalls ist die Schulleitung aktiv geworden und ist seitdem im Prozess der Aufarbeitung“, zitiert die Zeitung aus der Mitteilung der Schule. Neben der Meldung an die zuständige Senatsverwaltung seien sofortige Maßnahmen in die Wege geleitet worden. Dazu würden intensive Gespräche der pädagogischen Mitarbeiter und der Schulleitung mit der betroffenen Klasse sowie mit einzelnen Schülern zählen. Die Schulleitung habe auch das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus mit einbezogen.

          Zuletzt hatte Ende März ein antisemitischer Vorfall an einer Berliner Grundschule für Aufsehen gesorgt. Dabei war eine Grundschülerin mit einem jüdischen Elternteil in Berlin-Tempelhof von muslimischen Mitschülern mit dem Tode bedroht worden, weil sie nicht an Allah glaube. Der Fall hatte eine gesellschaftliche Debatte über religiöses Mobbing an Schulen ausgelöst.

          Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, mahnte am Mittwoch, antisemitische Vorfälle an Schulen ernst zu nehmen und nicht zu vertuschen. Es handele sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem. „Solche Vorfälle finden an allen Schulformen und überall in Deutschland statt“, sagte Schuster. Religiöses Mobbing gehe häufig, aber nicht allein von muslimischen Schülern aus. Der Zentralrat bekräftigte Überlegungen, ein bundesweites niedrigschwelliges Meldesystem für antisemitische Vorfälle einzuführen. Zudem müssten Lehrer durch Fortbildungen in die Lage versetzt werden, auf antisemitische Vorfälle angemessen zu reagieren.

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