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Ansgar Meyer : Ein Außenseiter für das KSK

Von Mazar nach Calw: Brigadegeneral Ansgar Meyer, Kommandeur des letzten deutschen Afghanistankontingents Bild: dpa

Brigadegeneral Ansgar Meyer hatte in seiner langen Karriere mit dem KSK lange nichts zu tun. Dennoch übernimmt er nun den Eliteverband. Oder gerade deshalb.

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          Mit dem Kommando Spezialkräfte (KSK), das er bald übernehmen wird, hatte Ansgar Meyer in seiner langen militärischen Karriere nie Berührungspunkte. Bis zu diesem Frühjahr. Da wurden die Elitesoldaten zu seiner Lebensversicherung. Meyer, 56 Jahre alt, ist momentan noch Kommandeur des letzten deutschen Afghanistan-Kontingents. Sein Auftrag: aufräumen, ausräumen, abziehen – und dabei eigene Verluste vermeiden. Dafür sollen die KSK-Soldaten sorgen. Sie werden die Letzten sein, die noch zwischen ihren Kameraden und den Taliban stehen.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Zum 1. September wird die Lebensversicherung zwischen Meyer und dem KSK wechselseitig. Denn Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat am Dienstag bekannt gegeben, dass der Brigadegeneral dann das KSK mit seinen rund 1500 Angehörigen in Calw übernehmen wird, dessen weitere Existenz nach einer Reihe von Skandalen infrage stand.

          Die Berufung Meyers hat in Fachkreisen manchen überrascht. Gilt in der Bundeswehr doch allgemein der Grundsatz, dass der oder die Berufene sich auf solch wichtigen Schleudersesseln fachlich zumindest schon halbwegs auskennen sollte. Kramp-Karrenbauer aber scheint den natürlichen Kandidaten mit Spezialkräftehintergrund nach den Skandalen der vergangenen Jahre, die das Kommando an den Rand der Auflösung trieben, nicht mehr oder zumindest noch nicht wieder voll zu vertrauen.

          Allerdings bedarf es für die Führung des KSK offenkundig derzeit weder eines Revolutionärs noch eines Reformators mit tiefgehenden Detailkenntnissen. Den großen Umbau des Kommandos, der unter Meyers Vorgänger Markus Kreitmayr so gut wie abgeschlossen wurde, gilt es zu Ende zu führen. Kleinere Folgeaufträge der Ministerin fallen dagegen kaum ins Gewicht. Wichtiger für sie dürfte es ohnehin sein, dass das Kommando wieder seiner nicht ganz normalen Arbeit nachgeht und dabei vor allem eines bleibt: skandalfrei.

          Dafür bringt Meyer, der 1984 in die Bundeswehr eintrat, mit vielen Führungsverwendungen in der Panzertruppe, dem Verteidigungsministerium und nachgeordneten Bereichen sowie insgesamt drei Auslandseinsätzen im Kosovo und in Afghanistan reichlich Erfahrung mit.

          Ob es ihm gelingt, Ruhe ins KSK zu bringen, ist damit freilich noch nicht gesagt. Es wird auch davon abhängen, inwieweit die Soldatinnen und Soldaten ihm trotz seines fehlenden Spezialkräftehintergrunds folgen wollen. Damit werden sie über Wohl und Übel nicht nur ihres  Kommandos, sondern auch ihres Kommandeurs mitentscheiden. So wie heute schon in Afghanistan. Eine Katastrophe für das KSK wären neuerliche rechtsextreme Umtriebe, wie sie am Dienstag von deutschen Soldaten in Litauen bekannt geworden sind.

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