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Anschlagsszenarien : Die Terroristen könnten schon da sein

Ende November 2008 übten Terroristen eine Anschlagserie auf zwei Hotels im indischen Mumbai aus. Mehrere Tage halten die Geschehnisse die Welt in Atem, weit über hundert Menschen wurden getötet. Bild: AFP

Deutschland in Angst vor einem Blutbad - eine Gruppe aus dem Ausland soll Anschläge planen. Aber es wächst auch die Sorge, dass islamistische Einzeltäter zuschlagen. Droht Deutschland ein Mumbai-Anschlag? Es gilt die Alarmstufe rot, das Anschlagsszenario als realistisch.

          An diesem Montag könnten sie kommen. Der 22. November ist der Tag, an dem eine Gruppe von Terroristen nach Deutschland einreisen soll, um hier ein Blutbad anzurichten. So haben es amerikanische Geheimdienste gemeldet. Zwei Inder und zwei Pakistaner sollen zu dem Terrorkommando gehören, auf der arabischen Halbinsel sollen sie Schengen-Visa erhalten haben. So könnten sie über einen Drittstaat nach Deutschland gelangen, könnten etwa in Paris den Schnellzug nach Köln nehmen. Was sie hier vorhaben, das wird in den Sicherheitsbehörden mit dem Wort „Mumbai- Style“ bezeichnet.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          In der indischen Metropole Mumbai, dem früheren Bombay, hatten Ende November 2008 mit Maschinenpistolen bewaffnete Terroristen, die aus Pakistan kamen, wild um sich geschossen, zwei Luxushotels und ein jüdisches Zentrum angegriffen und fast 200 Menschen ermordet. Drei Tage lang dauerte das Gemetzel, bis die indischen Sicherheitskräfte die Lage unter Kontrolle hatten. Drei Tage lang bestimmte der Terrorangriff die Nachrichten weltweit - es war propagandistisch der größte Erfolg für Al Qaida nach dem 11. September 2001. „Ich glaube, dass die Anschläge von Mumbai zum Vorbild von Terroristen rund um die Welt werden“, sagte damals der CIA-Veteran und Terrorismus-Fachmann Bruce Riedel.

          Warnungen aus Übersee

          Droht nun Deutschland ein Mumbai-Anschlag? In den Sicherheitsbehörden und im Innenministerium wollte man daran lange nicht glauben. Schließlich war die Mumbai-Warnung nur eine von mehr als zwanzig Alarmmeldungen, mit denen die Amerikaner ihre deutschen Freunde binnen weniger Monate überflutet hatten. Mal waren es 15, mal 20, mal 25 „Operateure“, die nach Europa unterwegs sein sollten oder schon eingetroffen seien. Nachprüfbare Quellen dazu gab es dazu meist nicht. Ein bisschen wie Kraut und Rüben war dieses Potpourri aus Übersee, mit deutlich höheren Krautanteilen, so die Einschätzung der Fachleute.

          Die Skepsis der Deutschen blieb hoch. Gerade der Mumbai-Plan schien unwahrscheinlich, schließlich sollten Inder und Pakistaner in einer Gruppe zusammenarbeiten, noch dazu die verfeindeten Sunniten und Schiiten. Dass der Pragmatismus der Dschihad-Kämpfer ausreichen sollte, die tiefen Gräben zwischen ihren Glaubensrichtungen zu überbrücken, glaubte kein Fachmann.

          Anschlagsszenario Nummer eins

          Seit einer Woche hat sich das geändert. Mumbai gilt jetzt auch in Deutschland als Anschlagsszenario Nummer eins. Die deutschen Behörden hätten, so heißt es, Quellen als zuverlässig verifizieren können. Und sie besäßen konkrete Hinweise, dass die Inder und Pakistaner zu dem Kommando gehören, das ein Deutsch-Syrer und ein Deutsch-Marokkaner angeblich komplettieren.

          Dass eine solche, bisher undenkbare Zusammenarbeit möglich ist, sehen die Behörden als eine neue Qualität der Terrorgefahr an. Sie gehen zudem davon aus, dass Teile der Gruppe schon in Deutschland sind. Als Organisator des Plans wird immer wieder der 46 Jahre alte Pakistaner Mohammed Ilyas Kashmiri genannt, der früher mit islamistischen Rebellen in seiner Heimat Kaschmir kämpfte, dessen Terrorbrigade 313 beim Anschlag in Mumbai beteiligt gewesen sein soll. Laut einem Bekennervideo von Al Qaida soll er auch für den Anschlag auf das Touristenlokal „German Bakery“ im Februar 2010 im indischen Poona verantwortlich gewesen sein, bei dem 17 Menschen starben.

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