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Anschlagsdrohungen : Al Qaidas Video-Club

Von Sicherheitsfachleuten sehr ernst genommen: das im Januar bekannt gewordene Droh-Video von „Abu Talha, dem Deutschen” Bild: ddp

„Kommt zum Jihad, denn das ist der Weg zum Paradies“: Mit diesen Worten rief vor kurzem ein deutscher Konvertit in einem Droh-Video zum Kampf auf. Die Internet-Propaganda verschiedener Organisationen wird inzwischen auch auf Deutschland zugeschnitten.

          Das sogenannte Drohvideo hat sich zu einem beliebten Propaganda-Instrument islamistischer Terroristen entwickelt. Die mehr oder weniger kurzen, von wirren Koran-Auslegungen und Beschimpfungen durchwirkte Filmchen gelangen seit längerem über islamistische Internetseiten wie beispielsweise die der Global Islamic Mediafront (GIMF) zunächst an eine Art Fachöffentlichkeit, die aus Islamisten, Polizisten und Journalisten besteht.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Mit Analysen und Kommentaren versehen, werden die Videos dann weltweit publiziert und entfalten eine vielfache Wirkung. Einerseits ziehen sie mit Verherrlichungen des Terrorismus junge Islamisten an. Andererseits schüren sie in der westlichen Öffentlichkeit ein Klima der Angst. Es reichen dazu eine Videokamera, eine Schneideprogramm vom Laptop und einige exhibitionistische Laiendarsteller in schmuddeligen Kampfmonturen vor Afghanistan-Kulisse.

          „Kommt zum Jihad, denn das ist der Weg zum Paradies“

          Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 waren es zunächst Botschaften Usama Bin Ladins, die innerhalb weniger Stunden über die Fernsehkanäle der Welt Millionen erreichten. Inzwischen gibt es eine zielgerichtete Internet-Propaganda verschiedener Organisationen, die auch auf Deutschland zugeschnitten wird. Im März und November 2007 lancierte die GIMF in Deutschland und Österreich Drohungen gegen die Kontingente von Bundeswehr und Bundesheer in Afghanistan. Die amateurhaft inszenierten Bilder signalisierten den deutschen Sicherheitsbehörden, dass die Bundeswehr ins Fadenkreuz des Terrors gerät.

          Nachdem die Botschaften der GIMF noch als unspezifische Drohungen aus dem Sympathisantenumfeld gewertet wurden, ließ im Frühjahr 2008 das Erscheinen eines deutsch-arabischen Videos aufmerken, das einen deutschen Konvertiten inmitten Bewaffneter irgendwo in Afghanistan oder Pakistan zeigte. Von dem damals zwanzig Jahre alte Eric Breininger aus dem Saarland wussten die Behörden, dass er sich zur Terror-Ausbildung dorthin begeben hatte. Angetan mit Kampfanzug, Munitionsgürtel und Kalaschnikow, riefen Breininger und ein Gefährte die Muslime in Deutschland auf: „Kommt zum Jihad, denn das ist der Weg zum Paradies.“

          Festnahmen während Anschlagsvorbereitungen

          Wie lange, so fragt der deutsche Schulabbrecher seine Glaubensbrüder, wollten sie noch zusehen, wie „die Ungläubigen unsere Frauen schänden und unsere Brüder ins Gefängnis bringen“. Breininger gilt als Beispiel einer wachsenden Gefahr, die von Konvertiten ausgeht, die in afghanischen oder pakistanischen Terrorlagern eine Ausbildung von Organisationen wie der „IJU“ („Islamische Dschihad Union“) erhalten. Mehrere mutmaßliche Mitglieder dieser Organisation, darunter die Konvertiten Gelowicz und Schneider, waren im September 2007 im Sauerland bei Anschlagsvorbereitungen festgenommen worden.

          Auch von Breininger und seinem Kumpan Houssain al Malla befürchteten die Behörden nach der Videobotschaft einen Anschlag in Afghanistan und fahndeten nach ihm. Dies umso mehr, als sich im Mai 2008 der aus Bayern kommende gebürtige Türke Cüneyt Ciftci in einer amerikanisch-afghanischen Kaserne in die Luft sprengte, nicht ohne ein ausführliches Video über seine Tatvorbereitung zu hinterlassen. Breininger und al Malla, so wurde befürchtet, könnten sich nach ihrem Droh-Video auch nach Deutschland aufgemacht haben.

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